Die Medizinische Dissertation Wikibooks

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Vorwort[Bearbeiten]

Soll ich als Medizinstudent überhaupt eine Doktorarbeit schreiben ?[Bearbeiten]

Bevor man sich überlegt, wie man eine medizinische Dissertation schreibt, sollte man sich zunächst überlegen, ob man überhaupt eine schreiben will.

Gründe dafür:[Bearbeiten]

  • ein mediziniches Thema wird sehr eingehend bearbeitet.
  • wenn mich jemand später in meinem Beruf Frau Doktor oder Herr Doktor nennt, muß ich nicht ständig abwehren.
  • ohne Promotion keine Habilitation
  • wenn ich das einmalige Glück habe, ein interessantes Thema und einen hilfreichen Doktorvater zu haben, lerne ich wirklich etwas dazu
  • ich muß mich gründlich mit Statistik beschäftigen.
  • ich lerne etwas über wissenschaftliche Recherche.

Gründe dagegen:[Bearbeiten]

  • ich verliere viel Zeit, die man besser in praktische Arbeit und Hospitationen stecken sollte.
  • das Medizinstudium ist sowieso schon sehr lang, für eine Doktorarbeit muß ich 6 bis 12 Monate zusätzlich einrechnen.
  • es entstehen mir keine echten Nachteile, wenn ich nur Arzt bin und kein Doktor.
  • Diese Aussage gilt für niedergelassene Ärzte und für Krankenhausärzte im nichtuniversitären Bereich.
  • Ich bin abhängig von einem gestressten Doktorvater, der eigentlich nur jemanden sucht, ihm seine nächste Veröffentlichung vorzubereiten.
  • meist bekommt man ein Thema aufgeschwätzt und sucht es sich nicht selbst aus.
  • man unterschätzt am Anfang den Zeitaufwand erheblich.
  • am Ende merkt man, daß man die falschen Daten erhoben hat und eigentlich noch einmal von vorne beginnen sollte.
  • ich kann auch als fertiger Arzt noch eine Doktorarbeit schreiben.

Wozu ein neues Buch zum Schreiben von Dissertationen?[Bearbeiten]

Es gibt in der Tat bereits viele, oftmals umfangreiche Ratgeber zur Erstellung von Dissertationen in verschiedenen Fachgebieten. Die vorliegende Internetbroschüre unterscheidet sich von diesen in drei Punkten:

  • Erstens strebt sie an, eine knappe, auf das Wesentliche konzentrierte Einführung in das Schreiben von Dissertationen anzubieten.
  • Zweitens orientiert sie sich dabei an dem rhetorischen Produktionsprozess und enthält zudem eine kurze Einführung in die Prinzipien der Universaldisziplin „Rhetorik“ – Prinzipien, die vielseitig einsetzbar sind und die man auf diverse andere (gesprochene oder geschriebene) Textsorten anwenden kann.
  • Drittens nutzt sie die Vorzüge von Wikibooks: Die Broschüre ist über Links mit anderen Webinhalten vernetzt, außerdem lassen sich mühelos Inhalte einfügen, verändern und diskutieren, so dass die Broschüre prinzipiell die aktuellste Ressource zum Thema „medizinische Doktorarbeit“ darstellt (was natürlich auch von der Mitarbeiter der Leser abhängt).

Warum ein Buch zur medizinischen Dissertation?[Bearbeiten]

Medizinische Dissertationen unterscheiden sich in gewissen Punkten von Dissertationen in anderen Fächern.

  • Im Bereich der Medizin stellt die Dissertation meist den ersten Kontakt mit wissenschaftlichem Arbeiten dar. Die meisten Medizinstudenten werden gewissermaßen ins kalte Wasser geworfen: Obwohl sie so gut wie keine Kenntnisse über wissenschaftliches Arbeiten mitbringen (abgesehen von der Facharbeit im Gymnasium), sehen sie sich vor die schwierige Aufgabe gestellt, ein anspruchsvolles wissenschaftliches Projekt selbstständig durchzuführen. In anderen Fachdisziplinen erfolgt die Annäherung an und Übung von wissenschaftlichem Arbeiten hingegen schrittweise über das gesamte Studium hinweg (in Form von Hausarbeiten etc.).
  • Auch medizinische Doktorväter[1] haben – im Vergleich zu Professoren anderer Fachgebiete (wie etwa der Philosophie) – meist keine systematische, fundierte und kritisch begleitete Ausbildung in wissenschaftlichem Arbeiten erfahren. Sie haben daher im Vergleich zu Professoren anderer Fächer in dieser Hinsicht oft einen Ausbildungsrückstand, so dass sie ihren Doktoranden oftmals nur recht allgemeine Ratschläge geben können.
  • Der Großteil der medizinischen Dissertationen ist naturwissenschaftlich ausgerichtet und unterliegt entsprechenden formalen Konventionen.
  • Medizinische Doktorarbeiten werden in der Regel parallel zu einem anstrengenden und zeitaufwändigen Studium geschrieben.

Daher muss eine Einführung in das Schreiben medizinischer Dissertationen knapp und prägnant und ohne viel Vorwissen vorauszusetzen eine möglichst effiziente, an Standards naturwissenschaftlicher Fächer orientierte Methodik der Produktion von Doktorarbeiten anbieten. Dennoch ist die Broschüre keineswegs nur für Medizinstudenten gedacht. Doktoranden anderer Fächer können durch sie ebenfalls profitieren, umgekehrt sind ihre Ratschläge und Ergänzungen gerne willkommen!

Bitte mitmachen![Bearbeiten]

Diese Internetbroschüre ist ein Wikibook und als solches in Bezug auf Aktualität und Korrektheit von der Mitarbeit der Leser abhängig. Wer also andere Doktoranden unterstützen möchte, indem er eigene Erfahrungen, Tipps und Ratschläge einbringt, nützliche Links einfügt, kritische Anmerkungen (in Form von Diskussionsbeiträgen) anbringt oder bestimmte Passagen ändert oder ergänzt, ist herzlich eingeladen, dies zu tun. Es ist nicht beabsichtigt, dass diese Broschüre jemals „fertig“ wird. Vielmehr soll sie gemäß dem Wiki-Prinzip stetig verbessert und erweitert werden.

Fertige Doktoranden (auch anderer Fächer als der Medizin) sind eingeladen, die Erfahrungen während ihrer Promotion in einem kurzen, vorstrukturierten Bericht im Schlusskapitel niederzuschreiben (dauert etwa 15 Minuten). Diese Erfahrungsberichte können anderen Doktoranden als wertvolle Hinweise und Unterstützung dienen und ihnen möglicherweise Stress und Unsicherheit nehmen. Es wird ja immer wieder beklagt, Dissertationen würden nur von einer Handvoll Menschen gelesen: vom Doktoranden und von den Gutachtern. Durch einen Erfahrungsbericht wäre die eigene Doktorarbeit auch vielen anderen Studenten nützlich!

Was erwartet mich in diesem Wikibook?[Bearbeiten]

Dieses Wikibook bietet eine Einführung in das Schreiben von medizinischen Dissertationen (vom ersten Kontakt zum Doktorvater bis zur fertigen Arbeit) und orientiert sich in seinem Aufbau an den Phasen des rhetorischen Produktionsprozesses. Einführend werden die Grundprinzipien und Konzepte der Rhetoriktheorie knapp erläutert.

Wie verwendet man dieses Wikibook am effizientesten?[Bearbeiten]

Der Aufbau des Buches folgt dem Prozess des Verfassens einer Doktorarbeit, die Kapitel bauen also aufeinander auf und bilden eine logische Einheit. Je nachdem, in welcher Phase man sich als Doktorand befindet, wird man bestimmte Kapitel interessanter als andere finden.

Es sei empfohlen, das Kapitel „Rhetorisches Grundwissen“ als erstes zu lesen, da zentrale Begriffe und Konzepte, auf die später immer wieder Bezug genommen wird, dort vorgestellt und erklärt werden.

Wer noch nicht mit einer Dissertation begonnen hat, kann durch das Lesen des gesamten Buchs einen umfassenden Eindruck davon erhalten, was ihn bei der Promotion erwartet – und somit noch einmal überlegen, ob er sich in das Abenteuer „Doktorarbeit“ stürzen möchte oder nicht.

  1. Zur besseren Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet. Es sind natürlich Männer und Frauen gleichermaßen gemeint.

Einführung[Bearbeiten]

Gedanken im Vorfeld[Bearbeiten]

Bei medizinischen Doktorarbeiten lassen sich – grob vereinfacht – zwei Typen unterscheiden:

  1. Diejenigen Arbeiten, die primär dem Titelerwerb dienen, wenig Arbeitsaufwand erfordern, in kurzer Zeit abzuschließen sind und vom Doktoranden nur eine begrenzte selbstständige Leistung erfordern (die Hauptaufgabe des Doktoranden beschränkt sich hier meist auf Datenerhebung oder -auswertung im Auftrag des Doktorvaters); diese Art von Dissertationen ist einer der Gründe dafür, dass immer wieder gefordert wird, den Dr. med. von anderen, „richtigeren“ Doktortiteln abzugrenzen.
  2. Aufwändige Arbeiten, bei denen der Doktorand ein umfangreiches Projekt vom ersten bis zum letzten Schritt selbstständig betreut und der Doktorvater nur berät. Sie stehen Arbeiten aus anderen Fachgebieten in nichts nach, zumal der Umstand zu berücksichtigen ist, dass diese Arbeiten meist studienbegleitend (und nicht erst nach Erreichen eines Abschlusses) angefertigt werden. Auf diese Art von Doktorarbeiten bezieht sich die vorliegende Broschüre primär.

Durch eine hinreichend umfangreiche Dissertation kann man viel lernen: Die (oftmals jahrelange) Arbeit an einer Dissertation bildet in dieser Hinsicht eine eigenständige Ausbildung zum wissenschaftlichen Arbeiten. Sie stellt eine wertvolle Zusatzqualifikation dar, durch die sich zahlreiche zusätzliche Optionen und Wege für das weitere Leben und die Karriere eröffnen. Dies hat jedoch seinen Preis: Denn eine Dissertation ist ein zeitaufwändiges, arbeitsintensives und oftmals einsames, zähes und frustrierendes Unternehmen, durch das man umfassend gefordert wird. Wer sich für eine Doktorarbeit entscheidet, muss sich auf eine entbehrungsreiche Zeit einstellen.

Daher sollte man sich im Vorfeld überlegen: Ist es mir das wert? Wie viel an Entbehrung kann ich akzeptieren? Außerdem sollte man über die eigenen Ziele reflektieren: Dient die Arbeit lediglich dem Titelerwerb oder will ich mit meiner Arbeit zum wissenschaftlichen Erkenntnisprozess beitragen? Will ich später gar wissenschaftlich tätig sein? Diese Reflexionen sind wichtig, denn sie bestimmen die eigenen Ansprüche und damit den geplanten Arbeitsaufwand sowie die Wahl von Thema und Doktorvater.

Ein Thema finden[Bearbeiten]

Mögliche Quellen[Bearbeiten]

Die erste Hürde auf dem Weg zum Titel ist, überhaupt an eine Doktorarbeit zu kommen und einen Doktorvater zu finden. Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten:

  • Hörensagen: Kommilitonen fragen
  • Direkter Kontakt zu möglichen Doktorvätern: mündliche oder schriftliche Anfragen, evtl. mit Themenvorschlägen
  • Sekretärinnen und Pförtner fragen

Es dürfte jedoch keineswegs unmöglich sein, einen geeigneten Doktorvater zu finden. Schließlich haben Professoren selbst Interesse an Doktoranden, denn diese bieten nicht zuletzt die Aussicht auf Publikationen und damit auf Karrieresprünge oder (vermeintlichen) Ruhm. Es ist sinnvoll, Erkundigungen über den Doktorvater einzuholen: Was sagen andere (ehemalige) Doktoranden über ihn? Wie gut ist er ansprechbar, wenn es Probleme gibt? Ist er nur pro forma Betreuer, oder wird man primär mit anderen aus der Arbeitsgruppe zusammen arbeiten? Wie hat sich seine wissenschaftliche Laufbahn gestaltet? Wieviele Doktoranden hat er erfolgreich betreut? Wie sind seine Publikationen zu beurteilen (Anzahl, Sprache (english oder deutsch) und Impactfaktoren)? Welchen Wert legt er auf Erstautorschaft? Am besten leiht man sich Dissertationen aus, die von dem in Frage kommenden Doktorvater betreut worden sind, um einen Eindruck davon zu erhalten, was er von seinen Doktoranden fordert und welche Qualitätsansprüche er hat. Man kann dann zum Beispiel abschätzen wie lange es dauerte von der letzten Datenerhebung bis zur Promotion.

Das erste Gespräch mit dem Doktorvater[Bearbeiten]

Beim ersten Gespräch mit dem Doktorvater gilt es, unter anderem Folgendes zu erörtern:

  • Zu inhaltlichen Aspekten:
    • Was ist die genaue Fragestellung des Projekts/der Studie?
    • Wie steht die Studie im Forschungszusammenhang?
  • Zu Aspekten des Prozesses:
    • Was sind die Erwartungen des Doktorvaters? Was erwarte ich als Doktorand?
    • Wie und woher erhalte ich als Doktorand Unterstützung?

Die Antworten und Vereinbarungen sollte man schriftlich festhalten, auch um den Doktorvater später evtl. darauf anbinden zu können (manche Doktorväter „vergessen“ gerne Vereinbarungen und verlangen dem Doktoranden immer mehr ab). Das erste Gespräch ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Titel. Man sollte nach dem Gespräch die eigene Motivation für die Dissertation und das Interesse am Thema nochmals eingehend prüfen und auf realistische Weise einschätzen, ob – und wenn ja: mit welchem Zeitaufwand – die Arbeit machbar ist (um sie nicht später nach langer und harter Arbeit doch noch hinzuwerfen). Der Doktorvater hat die Aufgabe, die Arbeit des Doktoranden (also des „Auszubildenden in wissenschaftlichem Arbeiten“) kontinuierlich zu begleiten und ihm unterstützend und mit fundiertem Rat zur Seite zu stehen. Besprechungen sollten in angemessenen (und keinesfalls zu großen) Zeitabständen erfolgen.

Offene Fragen in der Medizin[Bearbeiten]

Wenn man als Medizinstudent in das große Feld der biomedizinischen Forschung blickt, dann meint man vielleicht, alles sei schon weitgehend bekannt. Das ist keineswegs der Fall. Selbst so etwas Banales wie eine Erkältung ist kaum erforscht, zumindest was eine wirksame Behandlung betrifft.

Es gibt also eine Unzahl von Themen für Doktorarbeiten. Man muss nur ein Thema finden, welches einen wirklich interessiert, das überschaubar zu bearbeiten ist, und einen Doktorvater, der einem dabei hilft. Beispiele sind in einem anderen Wikibook aufgeführt: Natur

Weitere Ideen für Doktorarbeiten[Bearbeiten]

Blinde zuhören, abhören und tasten lassen[Bearbeiten]

In einer Reihe von Gynäkologischen Praxen werden Blinde eingesetzt, um die Brust von Patientinnen genau zu untersuchen. Siehe http://www.zeit.de/2012/12/Tumor-Tastbefund-Blinde Die Effektivität dieser Umstellung sollte man im Rahmen von Doktorarbeiten untersuchen.

Außerdem kann man die Tätigkeit von Blinden in der Medizin noch deutlich ausweiten:

  • Man kann sie nach entsprechender Schulung die Lunge und das Herz abhören lassen
  • Man kann sie auch die Anamnese bei Patienten erheben lassen

Auch dazu könnte man entsprechende Doktorarbeiten initieren.

Akustische Untersuchung des Bauches[Bearbeiten]

Durch die Anbringung mehrerer nach außen abgeschirmter Mikrofone könnte man die Darmtätigkeit besser erfassen und zb den Meteorismus, der viele Patienten stört, sauber definieren. Die Wirksamkeit von entblähenden Medikamenten könnte damit gut erfasst und überprüft werden. Dimeticon bringt zb bei dieser Indikation gar nichts.

Spülung des Darmes als Einlauf statt Spüllösung trinken[Bearbeiten]

Die Darmspiegelung ist eine wichtige Untersuchung zur Darmkrebsvorsorge. War es anfangs vielleicht noch die Angst vor einer Darmverletzung oder vor einer mangelnden Sedierung, so ist heute einer der wesentlichen Gründe, die einen von der Coloskopie abhalten, die aufwendige Vorbereitung. Man muß über eine längere Zeit eine große Menge Flüssigkeit zu sich nehmen und verbringt Stunden auf der Toilette, oft auch nachts, bis der Darm sauber ist. Es wäre ein großer Fortschritt, wenn man diese Darmvorbereitung dem Patienten ersparen könnte. Wer einmal erlebt hat, wie ein erfahrener Intensivpfleger einen beatmeten Intensivpatienten zur Darmspiegelung vorbereitet, der weiß es geht auch ohne Patientenmitarbeit. Es wird ein blockbares Darmrohr eingeführt. Über einen geschlossenen 2 Literbeutel wird warmes Wasser in den Darm gespült. Nach ein paar Minuten lässt man das jetzt stuhlverschmutzte Wasser wieder in den Beutel zurücklaufen, klemmt den Beutel ab und entsorgt ihn. Die Prozedur wiederholt man so oft, bis klares Wasser zurückfliesst. Die Frage ist nun, ob so eine Spülung ca 30 Minuten vor der CSK bei wachem oder leicht sediertem, seitlich liegendem Patienten durchgeführt in der Endoskopie von geschultem Pflegepersonal

  • eine ausreichende Darmreinigung ermöglicht,
  • von den Kosten und vom Zeitaufwand her erträglich ist,
  • von den Patienten angenommen wird.

Dazu müsste man ca 20 oder 30 Patienten entsprechend vorbereiten und dann die Methode bewerten.

Absaugung des iatrogenen Pneumothorax mittels ZVK und Perfusorspritze, statt aufwendiger Drainage und Anschluß an eine Absaugpumpe[Bearbeiten]

Siehe dazu Innere Medizin kk: Pneu

Rhetorisches Grundwissen[Bearbeiten]

Die Rhetorik ist eine über zwei Jahrtausende alte Universaldisziplin. Trotzdem haben ihre Konzepte nichts an Aktualität verloren. Im Folgenden werden diese Konzepte knapp vorgestellt (sie beziehen sich primär auf die „klassische“ Überzeugungsrede, lassen sich aber leicht auf andere rhetorische Texte und Situationen übertragen); wer sie kennt, hat Werkzeuge zur Hand, die er auf vielfältige Textsorten und zu verschiedenen Anlässen einsetzen kann. Für eine ausführlichere Darstellung der rhetorischen Konzepte sei auf folgendes Kapitel eines anderen Wikibooks verwiesen: Rhetorische Propädeutik

Der rhetorische Prozess[Bearbeiten]

Rhetorisch ist eine Rede oder ein Text immer dann, wenn der Autor (in der Rhetoriktheorie „Orator“ genannt) durch die Rede oder den Text beim Publikum etwas bewirken möchte. Genauer lässt sich dies als „rhetorischer Prozess“ analysieren: Demnach ist die Intention des Orators, das Publikum von einem Ausgangszustand A in einen Endzustand B zu versetzen. Beim Übergang von Zustand A zu Zustand B treten Widerstände auf (durch Publikum, Gegenstand, Redetext oder Kontext), die der Orator mittels Anwendung rhetorischer Mittel und Maßnahmen bearbeiten muss, damit er seine Intention erreichen kann. Da die Redesituation dynamisch ist, müssen immer wieder Reflexionen über die Adäquatheit des aktuellen Vorgehens und gegebenenfalls Handlungsmodifikationen erfolgen.

Aus dem rhetorischen Prozess ergibt sich, dass man sich im Vorfeld Gedanken zu folgenden Punkten machen sollte:

  1. Was will ich erreichen und was steht der Zielerreichung im Wege?
  2. Wer ist das Publikum?
  3. Worüber will ich reden und was ist meine Kernbotschaft?
  4. Was ist der Kontext und welche Probleme und Widerstände sind von ihm zu erwarten?

Wirkabsichten[Bearbeiten]

Der Orator möchte beim Publikum etwas bewirken, er verfolgt also eine von drei möglichen Wirkabsichten:

  • Belehren (Informieren)
  • Unterhalten
  • Bewegen (handlungswirksames Überzeugen).

In der prototypischen Redesituation (z. B. in Bundestagsreden) geht es primär um den Aspekt des Bewegens, bei Sachtexten (z. B. Doktorarbeiten) steht hingegen das Belehren im Vordergrund.

Die rhetorische Situation[Bearbeiten]

Die rhetorische Situation wird durch vier Elemente konstituiert, die miteinander in Beziehung stehen:

  1. Der Orator hat bestimmte Intentionen (d. h. will beim Publikum etwas Bestimmtes bewirken); zugleich erzeugt er beim Publikum durch die Art seines Auftretens auf para- und nonverbalem Weg ein bestimmtes Image („Ethos“) von sich, das sich gezielt zum Zweck der Überzeugung einsetzen lässt.
  2. Das Publikum bildet den Fluchtpunkt, auf den sämtliches oratorisches Handeln ausgerichtet ist – es gilt es zu informieren, zu unterhalten oder zu bewegen. Der Orator kann beim Publikum starke Gefühle hervorrufen („Pathos“), die den Überzeugungsprozess unterstützen.
  3. Der Gegenstand ist die Sache, über die der Orator spricht. Sie wird dem Publikum über den Redetext („Logos“) vermittelt.
  4. Der Kontext der Rede bildet den Hintergrund, vor dem sich die Beziehung zwischen Orator, Publikum und Gegenstand abspielt: Raumakustik, zeitgeschichtlicher Zusammenhang, Veranstaltungsrahmen etc.

Rhetorische Grundprinzipien[Bearbeiten]

Eine Rede, mit der der Orator seine Wirkabsicht erfolgreich verfolgen will, muss folgenden rhetorischen Grundprinzipien genügen:

Angemessenheit („Aptum“, das wichtigste Prinzip der Rhetorik): Sämtliches Handeln des Orators muss angemessen sein. Hauptsächlich bedeutet dies, dass der Redetext sowohl dem Gegenstand als auch der Redesituation entsprechen muss. Das Kriterium der Angemessenheit orientiert sich an den geltenden (und weitgehend internalisierten) sozialen (gesellschaftlichen, fachspezifischen) Normen und erschließt sich hauptsächlich durch die in den bisherigen sozialen Lernerfahrungen ausgebildete Intuition. In der wissenschaftlichen Kommunikation gibt es zudem diverse implizite Normen; beispielsweise wird erwartet, den Gegenstand möglichst neutral, sachlich und emotionsfrei darzustellen.

Sprachrichtigkeit („Puritas“): Die richtige Konstruktion der Sätze (in Bezug auf Grammatik und Länge), die korrekte Schreibweise und Aussprache der Worte und die Verwendung zeitgemäßer und bekannter Ausdrücke bilden die Grundvoraussetzungen dafür, dass der Text überhaupt verstanden werden kann und das Publikum nicht vom Inhalt abgelenkt wird. Zudem wirkt ein fehlerloser Text ästhetisch angenehm.

Verständlichkeit („Perspicuitas“): Wenn ein Text beim Publikum Wirkungen auf kognitiver Ebene entfalten soll (etwa in Form von Einsicht), muss er dem Publikum kognitiv auch möglichst gut zugänglich, d. h. verständlich sein. Der Text soll den Inhalt also einfach und auf konzentrierte Weise ausdrücken. Einen Text verständlich zu gestalten, ist oft mit hohem Aufwand verbunden (Popper: „Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann“). Als Verständlichkeitskriterien eignen sich die Konversationsmaximen von Grice:

  • Klarheit
  • Relevanz (Bezug zum Thema)
  • Wahrheit
  • Adäquater Informationsgehalt (so viel wie nötig, so kurz wie möglich; hierzu zählt auch das Kriterium der Prägnanz: Genauigkeit, Eindeutigkeit und Knappheit (Esselborn-Krumbiegel, 173))

Anders formuliert: sage auf klare und verständliche Weise, was informativ, wahr und relevant ist. Auch hierbei gilt das Prinzip der Angemessenheit (Einstein: „Mache die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher“).

Kniffe für mehr Verständlichkeit:

Esselborn-Krumbiegel (166 ff.) empfiehlt folgende Taktiken, um Texte verständlicher zu machen:

  • Vorinformationen geben, d. h. komplexe Konzepte vor ihrer eingehenden Erläuterung grob umreißen
  • Kohärenz sicherstellen, indem man sachlich Zusammengehöriges auch in räumlich-textliche Nachbarschaft stellt
  • die logische Struktur des Textes deutlich machen, d. h. die Sätze durch Konjunktionen (z. B. „obwohl“, „damit“) und Adverbien (z. B. „allerdings“, „trotzdem“) miteinander verbinden
  • in kleinen, logisch aufeinander abgestimmten Schritten vorgehen

Zur kritischen Überprüfung der Verständlichkeit einer Textpassage empfiehlt Esselborn-Krumbiegel (141), an jeden Sinnabschnitt Fragen aus der Perspektive des Lesers zu stellen. Dies hilft dabei, Schwachstellen und Argumentationslücken zu erkennen und die Relevanz des jeweiligen Abschnitts abzuschätzen. Weiterhin lässt sich nach dem Ziel des jeweiligen Abschnitts fragen und danach, ob dieses Ziel erreicht wurde.

Richtige Stilhöhe: Die Wahl der Stilhöhe richtet sich nach dem Gegenstand, dem Publikum, dem vom Orator intendierten Image und der Wirkabsicht des Textes. Eine Rede, die das Publikum informieren soll, ist einem sachlichen Stil verpflichtet, während in einer Überzeugungsrede diverse Stilmittel vorkommen können, um die sachlichen Anteile der Rede emotional zu unterfüttern.

Redeaufbau[Bearbeiten]

Eine Rede besteht aus einem Anfang, einem Hauptteil und einem Schluss.

  • Am Anfang kann eine Einleitung („Exordium“) stehen, die üblicherweise drei Funktionen erfüllt: (1) das Wohlwollen des Publikums erlangen („Captatio benevolentiae“), (2) das Publikum vorinformieren, damit es die im Hauptteil vorgebrachten Informationen leichter verarbeiten kann („Docilem parare“), (3) das Interesse und die Aufmerksamkeit des Publikums wecken („Attentum parare“).
  • Der Hauptteil gliedert sich gemäß dem klassischen, an der Gerichtsrede orientierten Schema in zwei Abschnitte: (1) Darlegung der Gegebenheiten, d. h. Erzählung des Vorfalls, um den es geht („Narratio“), (2) Argumentation für die eigene und gegen die gegnerische Position („Argumentatio“).
  • Der Schluss („Peroratio“) soll (1) die Inhalte des Hauptteils zusammenfassen („Enumeratio“) sowie (2) die Gefühle des Publikums erregen („Affectus“) und es so zum Handeln bewegen.

Bei genauem Hinsehen lässt sich dieser Aufbau in vielen Reden und anderen Texten entdecken.

Rhetorischer Produktionsprozess[Bearbeiten]

Der rhetorische Produktionsprozess umfasst sechs Schritte, die vom Entschluss, einen Text zu schreiben oder eine Rede zu halten, bis zum vollendeten Text oder zur vorgetragenen Rede reichen. Er ist prinzipiell auf jede Art rhetorischen Textes anwendbar (wobei die Punkte 5 und 6 meist nur für gesprochene Texte gelten). Je gründlicher ein Schritt durchgeführt wird, desto leichter fällt der nächste Schritt.

  1. Analyse von Gegenstand, Intentionen, Publikum und Kontext („Intellectio“)
  2. Stoffsammlung, Auffinden von Themenaspekten, Gedanken, Ideen („Inventio“)
  3. Ordnen des Stoffs in einer sinnvollen, konsistenten Gliederung („Dispositio“)
  4. Schreiben des Textes, Ausmerzen von Fehlern, Hinzufügen von Schmuck („Elocutio“)
  5. Memorieren des Textes („Memoria“)
  6. Wirkungsvoller Vortrag des Textes („Actio“)

An dieser Sequenz orientieren sich die folgenden Abschnitte – mit Ausnahme des folgenden Kapitels, in dem es um die allgemeinen Vorbereitungen geht.

Vorbereitungen[Bearbeiten]

Bevor man sich an die Arbeit macht, sind einige Vorbereitungen zu treffen, die auf den ersten Blick zwar trivial erscheinen, deren Vernachlässigung den Produktionsprozess jedoch stark bremst.

Ordnung[Bearbeiten]

Wichtig für effizientes Arbeiten ist das Einhalten von Ordnung (Ueding 20 ff.): Um den Arbeitsfluss nicht zu behindern, müssen sich sämtliche Unterlagen in kurzer Zeit auffinden lassen. Ordnung muss aktiv hergestellt werden, denn ohne das aktive Bemühen um Ordnung türmt sich nach einigen Wochen auf dem Schreibtisch ein undurchdringbarer Wust von Büchern, Artikeln und Notizzetteln, so dass man auf der Suche nach Dokumenten viel Zeit und Energie vergeudet. Der Beginn einer Doktorarbeit ist daher oft der richtige Zeitpunkt für einen gründlichen Wohnungsputz und die Anschaffung von Utensilien wie Karteikästen, Sammelmappen oder Ordnern mit Registerblättern. Auch auf dem PC ist (zumindest in den zur Doktorarbeit gehörenden Verzeichnissen) Ordnung erforderlich: Die verschiedenen Dokumentsorten (z. B. Textdateien, Analysedateien, Pdfs von Literatur) sollten in entsprechenden Verzeichnissen leicht auffindbar abgelegt werden. Ein Literaturverwaltungsprogramm unterstützt das Einhalten von Ordnung in der elektronischen Bibliothek auf dem Computer.

Gestaltung der Arbeitsumgebung[Bearbeiten]

Für ein effizientes Arbeiten ist eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung mit günstigem Klima erforderlich. Tätigkeiten, die hohe Konzentration erfordern, sollten möglichst in Zeiten biorhythmischer Hochs und eher am Abend stattfinden. Eine günstige Pausentechnik beugt Ermüdung vor und verhindert Pseudopausen (z. B. zerstreutes Spielen mit dem Bleistift), die den Arbeitsfluss unterbrechen, aber nur wenig Erholung bringen.

Tipps zur Arbeitsplatzgestaltung:

  • Arbeitsplatz: Ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes, wichtige Unterlagen (z. B. Wörterbücher) in Griffnähe
  • Geräusche: möglichst still, aber keine absolute Stille (stattdessen leise Hintergrundgeräusche)
  • Klima: Temperatur ca. 20 °C, mittlere Luftfeuchtigkeit, kein Luftzug, keine Strahlungswärme oder -kälte
  • Beleuchtung: Der Arbeitsplatz sollte ausreichend hell sein (mit gleichmäßiger Ausleuchtung des gesamten Gesichtsfeldes ohne zu blenden; geringere Beleuchtung der Umgebung), die Beleuchtung von der Seite erfolgen
  • Arbeitsrhythmus: Arbeiten in den aktiven Zeiten (Biorhythmus), Arbeiten, wenn man „den Kopf frei“ hat, richtige Pausentechnik (jede halbe Stunde fünf Minuten Pause, alle zwei Stunden eine halbe Stunde Pause)

Beschaffen von Arbeitsmaterialien[Bearbeiten]

Zum Schreiben einer Doktorarbeit benötigt man – neben den Standardutensilien wie Stiften, Papier und PC mit Textverarbeitungsprogramm – häufig spezielle Programme (z. B. Statistiksoftware, Literaturverwaltungsprogramme), für die man universitäre Lizenzen erwerben kann. Sehr hilfreich sind zudem Mindmap-Programme.

Arbeitsdokumentation[Bearbeiten]

Es ist hilfreich, sich zu Beginn einer Arbeitswoche sowie eines jeden Arbeitstags Ziele zu setzen, am Ende das Erreichen dieser Ziele (schriftlich) zu kontrollieren und gegebenenfalls Gründe für Diskrepanzen zwischen Zielen und Zielerreichung zu benennen, um die eigene Arbeitsweise zu modifizieren und dadurch effizienter zu gestalten.

Führen eines wissenschaftlichen Journals[Bearbeiten]

In einem „wissenschaftlichen Journal“ (in Form eines großformatigen Heftes oder Büchleins) lassen sich Gedanken, Einfälle und Reflexionen zum Forschungsthema festhalten. Ein solches Journal dient somit nicht nur als Ideenspeicher und Katalysator für weitere Ideen, sondern zugleich als Dokumentation des eigenen wissenschaftlichen Fortschritts.

Produktionsprozess[Bearbeiten]

Da es bei einer Doktorarbeit nicht um das Lösen einer Aufgabe (mit bekanntem Lösungsweg), sondern um das Lösen eines Problems (mit unbekanntem Lösungsweg) geht, ist die konkrete Gestalt des Problemlösungsprozesses von Arbeit zu Arbeit verschieden. Die groben Arbeitsschritte lassen sich jedoch mit dem rhetorischen Produktionsprozess beschreiben. Hierbei steht am Anfang eine analytische Phase (Literaturrecherche und Forschung), der die daran anschließende synthetische Phase (Strukturieren und Schreiben der Dissertation) vorbereitet.

Analysen[Bearbeiten]

Sinn des Analysierens („Intellectio“) ist es, den Gegenstand, die eigenen Intentionen, das Publikum sowie den Kontext zu analysieren, zu studieren und zu erforschen.

Exposé

Franck (173) empfiehlt, das Ergebnis dieser Analyse in Form eines Exposés festzuhalten, welches gewissermaßen als Landkarte auf der Abenteuerreise „Dissertation“ dient. Das Exposé sollte folgende Punkte enthalten:

  • Problem: Welches (theoretische oder praktische) Problem bildet den Anlass der Arbeit?
  • Forschungsstand: Überblick über vorhandene und bislang nicht vorhandene Erkenntnisse, Einordnung der eigenen Arbeit
  • Fragestellung der Arbeit: Was soll mit der Arbeit herausgefunden werden?
  • Zielsetzung der Arbeit: Welche expliziten und impliziten Ziele werden mit der Arbeit verfolgt?
  • Theoriebezug: Auf welche Theorien bezieht sich die Arbeit?
  • Methode: Auf welche Weise sollen das Problem angegangen und die Fragestellung beantwortet werden?
  • Material: Welche Daten sollen verwendet werden? Sind sie vorhanden oder müssen sie noch erhoben werden?
  • Grobe Gliederung
  • Zeitplan

Gegenstand[Bearbeiten]

Die Analyse des Gegenstands umfasst zwei Aspekte: (1) die Analyse der vorhandenen Literatur über den Gegenstand und (2) das Generieren neuer Erkenntnisse durch eigentätiges Forschen (Experimentieren, Erheben von Datenmaterial etc.). Die folgende Darstellung zeichnet einen idealtypischen Prozess nach, demzufolge die Analyse der Literatur der eigenen Forschungstätigkeit vorangeht. In der Praxis ist dies jedoch eher selten; von Medizin-Doktoranden wird meist erwartet, dass sie nach Erhalt ihres Themas ohne vorherige ausreichend intensive Literaturrecherche mit der Forschung beginnen. Dies ist jedoch ungünstig, da man ohne tiefere Kenntnis der einschlägigen Literatur gewissermaßen ins Blaue hinein forscht und die eigenen Ergebnisse nur schlecht bewerten und einordnen kann. Daher sollte der Forschungsphase eine ausreichend gründliche Phase der Literaturrecherche vorangehen. Die Literaturrecherche lässt sich ohnehin nicht umgehen: Da die eigenen Ergebnisse im Verlauf der Dissertation mit den bisherigen Erkenntnissen in Beziehung gesetzt werden müssen, kommt der Literaturerschließung eine der eigenen Forschung mindestens gleichwertige Bedeutung zu.

Festlegung des Arbeitsthemas[Bearbeiten]

Wenn das Thema (d. h. der Gegenstand der Arbeit) nicht vom Doktorvater vorgegeben ist, muss es zunächst ausgewählt oder selbst gefunden werden (Leitfrage: „Was will ich erforschen?“). Hierbei wird man sich wohl hauptsächlich von den eigenen Interessen leiten lassen. Ein gewisses Grundinteresse am Thema ist unbedingt erforderlich, wenn das Schreiben der Dissertation nicht zu einer Tortur werden soll.

Ecos Kriterien zur Themenwahl

Für die Wahl des Themas sind die Kriterien von Umberto Eco (zit. n. Franck, 161) nützlich: demnach (1) soll das Thema den Doktoranden persönlich interessieren, (2) die zur Erschließung des Themas erforderlichen Quellen sollen ihm zugänglich sein, (3) der Doktorand sollte mit den Quellen umgehen können und (4) der Doktorand sollte mit der Forschungsmethodik (z. B. Laborarbeit, histologische Analysen, statistische Analysen) hinreichend vertraut sein.

Ist das Thema in seinen Grundzügen bekannt, muss es weiter erschlossen und auf einen bestimmten Teilaspekt begrenzt werden. Franck (158) empfiehlt drei Phasen:

  1. Phase der Themenerschließung:
    • Klärung des eigenen Vorwissens (Was ist mir zu dem Thema bekannt? Was will ich zusätzlich wissen?),
    • Klärung der eigenen Motivation (Was interessiert mich an dem Thema? Warum finde ich das Thema spannend? Was möchte ich herausfinden?)
    • Klärung allgemeiner Aspekte des Themas (anhand der Leitfragen „wer, was, wann, wo, wie, warum“)
  2. Phase der überblicksartigen Literatursichtung: Hier wird ein Überblick über das Thema und die vorhandene Literatur angestrebt; am besten eignet sich hierfür ein Blick in einige aktuelle Journalartikel oder Reviews.
  3. Phase der Themeneingrenzung: Da nicht das Fachgebiet in seiner Breite, sondern ein begrenzter Ausschnitt des Fachgebiets in seiner Tiefe erforscht werden soll, muss das Thema auf einen bestimmten Aspekt oder eine bestimmte Perspektive eingeschränkt werden. Dieser Bereich sollte bei angemessenem Aufwand in einer angemessenen Zeit zu bearbeiten sein (was bei zu abstrakten Themen, zu komplexen oder Mode-Themen kaum möglich ist). Man sollte die Eingrenzung des Themas auf den gewählten Bereich (und die Nichtbehandlung anderer Themenbereiche) begründen können und in der Lage sein, die Beziehung zwischen dem gewählten Teilausschnitt und dem Gesamtthema anzugeben.

Zu diesem Aspekt soll nun eine Fragestellung entwickelt werden, auf die die Arbeit eine Antwort geben soll. Zur Entwicklung und Erschließung der Fragestellung empfiehlt Esselborn-Krumbiegel (64 ff.), folgende Fragen zu stellen:

  1. Was soll herausgefunden werden? Was ist die Hauptfragestellung?
  2. Welche weiteren Fragen ergeben sich aus der Hauptfragestellung?
  3. Inwiefern gibt es Gemeinsamkeiten mit anderen Themen? Worin unterscheidet sich das aktuelle Thema von anderen?
  4. Inwiefern könnte sich die Hauptfragestellung noch erweitern oder einengen?
  5. Was ist der wichtigste Aspekt, der Kern der Hauptfragestellung?
  6. Wie ordnen sich das Thema und die Fragestellung in den Forschungskontext ein? Handelt es sich um ein Randthema oder um ein aktuell stark beforschtes Thema?

Die Fragestellung ist nicht starr, sondern kann sich mit Fortgang der Arbeit verändern. Die in der Fragestellung verwendeten Schlüsselbegriffe sollten im Hinblick auf ihre Definition und ihren Zusammenhang mit anderen Begriffen bekannt sein. Auch bei einem vorgegebenen Thema sollte man die enthaltenen Schlüsselbegriffe auf ihre Bedeutung, ihre Tiefe und ihren Zusammenhang mit anderen Begriffen analysieren.

Recherchen zum Thema[Bearbeiten]

Wenn der Themenausschnitt und die Fragestellung bekannt sind, kann man mit der Recherche beginnen. Sie gliedert sich in drei Phasen:

  1. Phase der allgemeinen Recherche: Zunächst muss man sich mit dem Thema und dem gewählten Themenausschnitt vertraut machen, wobei man vorerst nur in die Breite recherchiert (ein Teil dieser Phase ist somit schon während der Themenbestimmung abgedeckt worden): Brainstormings, Besuch von einschlägigen Veranstaltungen, Dialog mit Fachleuten und Bekannten, Internetrecherche etc. Mit anderen Worten: Man geht mit offenen Augen durch die Welt auf der Suche nach Material zum interessierenden Thema.
  2. Phase der breiten Literaturrecherche: In dieser Phase verschafft man sich einen ersten Überblick über die vorhandene Literatur zum Thema, und zwar anhand von Überblickswerken (Lehrbücher, aktuelle Reviews etc.), OPAC, Schlagwortkatalogen, Datenbanken, Online-Buchhandlungen etc. Gute Doktorväter führen Literaturlisten zu ihren Forschungsgebieten und können ihren Doktoranden die wichtigsten Titel und Aufsätze nennen. Am Ende dieser Phase besitzt man eine ansehnliche Liste von Literatur zum Thema.
  3. Phase der engen Literaturrecherche: Nun wird die Literatur zum gewählten Themenausschnitt umfassend gesichtet. Hierzu geht man entweder systematisch anhand von Bibliographien vor oder man verwendet eine Methode „organischer Literaturerschließung“, d. h. man geht von derjenigen Literatur aus, die in einem themenrelevanten Zusammenhang in einschlägigen Übersichtsartikeln oder einführenden Büchern genannt wird, und erschließt von dort aus in einem prinzipiell unendlichen Progress zusätzliche relevante Literatur. Durch die zweite Methode erhält man einen fundierten und nach Relevanz gewichteten Überblick über die Literatur des Themengebiets.

Online-Ressourcen für die Literaturrecherche

Folgende Online-Ressourcen eigenen sich zur Literaturrecherche:

Zudem besitzen Universitätsbibliotheken Lizenzen für wissenschaftliche Zeitschriften und andere Ressourcen.

Literatur mit hoher Relevanz für die eigene Arbeit muss zielgerichtet gelesen werden (d. h. selektiv im Hinblick auf die eigene Fragestellung/Zielsetzung). Dies geht nur, wenn Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit eng umrissen sind. Am Ende dieser Phase sollte man in der Lage sein, ein Review zur aktuellen Literatur des Themengebiets zu verfassen.

Wie liest man Literatur nun effizient? Dies soll im Folgenden am Beispiel von Journalartikeln (Papers) erläutert werden.

Zunächst lässt sich anhand des Abstracts die Relevanz des Papers abschätzen.

  • Bei wenig relevanten Papers reicht es, die Kernpunkte des Abstracts zu notieren und zu archivieren (siehe unten).
  • Relevante Papers müssen gründlicher gelesen werden. Um die entscheidenden Informationen aus dem Text zu extrahieren, ist ein möglichst aktiver Lesestil erforderlich. Dies bedeutet,
    • vor dem Lesen das Leseziel festzulegen (wer durch das Lesen nur spezifische Fragen beantwortet bekommen möchte, wählt eine andere Vorgehensweise als derjenige, der einen unspezifischen Überblick bekommen möchte) und sein Vorwissen zu reflektieren und zu sortieren (d. h. Fragen notieren oder eine Probestruktur entwerfen, die durch die beim Lesen gewonnenen Informationen ergänzt und verändert wird; Haft, 46 ff.)
    • sich beim Lesen Notizen zu machen
    • von den wichtigen zu den weniger wichtigen Abschnitten des Papers überzugehen (meist in der Reihenfolge Abstract, Conclusion, Diskussion, Ergebnisse, Einleitung, Methoden)

Die entscheidenden Inhalte werden exzerpiert. Gründliche Exzerpte bringen im späteren Produktionsprozess eine enorme Zeitersparnis (Kruse, 215).

Für das Lesen sollte man eine persönliche Routine entwickeln. Vorgehensweisen, die sich auf das Lesen von Lehrtexten beziehen (wie etwa die PQ4R-Methode), sind hierbei aufgrund ihres spezifischen Fokus (umfassendes Verständnis von neuem Lernstoff) und ihres hohen Zeitaufwands nur in seltenen Fällen hilfreich. Effizient ist hingegen folgende Methode:

  1. Vorbereitungsphase: „Was will ich von dem Text wissen?“ Den Text grob überfliegen, sein eigenes Vorwissen reflektieren und – je nach Leseziel – Fragen notieren bzw. eine vorläufige (grafische) Struktur entwerfen.
  2. Erstes Lesen (dabei von den wichtigen zu den weniger wichtigen Abschnitten gehend) mit Markieren von zentralen Aussagen des Textes. Dabei eigene Einfälle und Gedanken festhalten (z. B. in eckigen Klammern am Textrand oder auf einem separaten Blatt).
  3. Zweites Lesen mit Notieren der Kernaussage des jeweiligen Sinnabschnitts in knappen Worten.
  4. Reflexionsphase: Beantworten der Fragen aus der Vorbereitungsphase bzw. Ergänzen der vorläufigen Struktur anhand der neu gewonnenen Informationen.
  5. Schreiben einer Kurzzusammenfassung auf Basis der Randnotizen: Die relevanten Informationen werden zusammen mit bibliographischen Angaben (Autoren und Jahr sowie Ablageort [Signatur, Internetseite, Ordner]) auf einer Karteikarte (möglichst DIN-A5) oder in einem elektronischen Zettelkasten festgehalten; Zitate werden wortgenau und mit exakter Stellenangabe vermerkt, Abkürzungen erläutert. Außerdem lassen sich kritische Kommentare, Verweise zu anderer Literatur sowie eigene Skizzen und Notizen anbringen. Allgemein gilt hier das Prinzip: „Alles, was wichtig sein könnte, sofort an der richtigen Stelle notieren.“ (Krajewski, 100)
  6. Notiz auf einer „Stichwort-Karteikarte“: Zentrale Aussagen zu einem bestimmten Aspekt zusammen mit den Literatur-Basisangaben (Autor, Jahr) auf „Stichwort-Karteikarten“ (Kruse, 217) notieren, d. h. auf Karteikarten, die die Texte zu einem bestimmten Themenbereich auflisten und auf denen auch eigene Gedanken vermerkt werden können. Eine Literaturquelle kann Stoff für diverse verschiedene Stichwort-Karteikarten liefern. Zudem: In der elektronischen Mindmap einen entsprechenden Untereintrag zum passenden Stichwort erstellen (dies hat den Vorteil, dass die Einträge sortiert und später auf verschiedene Arten strukturiert werden können).
  7. Einordnen und archivieren: Den Aufsatz und die bearbeiteten Karteikarten in den jeweiligen Ordner bzw. Karteikasten einsortieren, so dass sie sich später mühelos finden lassen. Die genaue Literaturangabe in das Literaturverwaltungsprogramm eintragen.

Gerade auf lange Sicht erweist sich diese Methode als sehr effizient.

Exkurs: PQ4R-Methode

Die PQ4R-Methode eignet sich für die kritische Auseinandersetzung mit Lehrtexten und langfristiges Abspeichern.

  • Preview: den Text überfliegen
  • Question: sich Fragen zum Thema überlegen
  • Read: den Text im Hinblick auf die Fragen lesen
  • Reflect: tiefere Auseinandersetzung mit dem Text, indem man sich Gedanken zum Stoff macht, sich kritisch mit dem Stoff auseinandersetzt, Bezüge zu eigenem Vorwissen herstellt, Beispiele sucht etc.
  • Rewrite: die Kerngedanken aus dem Gedächtnis abrufen und notieren
  • Review: die Kernaussagen des Texts nochmals wiederholen

Phase der eigenen Forschung[Bearbeiten]

Mit hinreichend fundiertem Wissen über den aktuellen Forschungskontext kann man nun beginnen, einen eigenen Beitrag für die Forschung zu leisten, d. h. Daten zu erheben und auszuwerten. Dies bildet den Kern der Doktorarbeit und ist meist am zeitintensivsten. Es geht hierbei weniger um wissenschaftliche, sondern hauptsächlich um technische und organisatorische Aspekte. In Arbeiten mit komplizierten statistischen Berechnungen sollte – möglichst bereits im Vorfeld – ein Statistiker einbezogen werden.

Studienarten

Bei empirischen Studien unterscheidet man üblicherweise folgende Studienarten:

  • Experimentelle Studien: Zellen züchten, Substanzen pipettieren, Mäuse operieren oder ihnen Stoffe injizieren, histologische Schnitte auswerten etc.
  • Klinische Studien: Patienten untersuchen, ihnen Blut abnehmen und auf bestimmte Substanzen untersuchen etc.
  • Statistische Studien: Daten erheben etwa mittels Fragebogen, Sammeln und Auswerten archivierter Patientendaten etc.; statistische Studien haben zwar einen eher schlechten Ruf, können sich aber ebenfalls als sehr arbeits- und zeitaufwändig erweisen. Im Grunde ist übrigens jede empirische Studie „statistisch“, bei der erhobene Daten mittels statistischen Methoden ausgewertet werden.

Orator[Bearbeiten]

Es ist hilfreich, die offenen und latenten Intentionen, die man mit der Dissertation verfolgt („Was will ich beim Publikum verändern?“), bewusst zu reflektieren und schriftlich festzuhalten. Die offenen Intentionen des Orators sind meist vorgegeben: Generieren neuer Erkenntnisse, Informieren der Leser über die neuen Erkenntnisse, Einordnen in den Forschungskontext. Verdeckte Intentionen können sein: den Leser von etwas überzeugen, sich selbst in einem geeigneten Licht erscheinen lassen, Kompetenz demonstrieren, ein vielbeachtetes Werk schreiben etc.

Intentionen unterscheiden sich von der (im vorigen Kapitel behandelten) Fragestellung: Die Fragestellung gibt an, was man wissen möchte, die Intention, wozu man es wissen möchte (Franck, 170).

Publikum[Bearbeiten]

Das Publikum ist der Fluchtpunkt, auf den alles rhetorische Handeln auszurichten ist. Eine Doktorarbeit wird aus rhetorischer Perspektive nicht primär zum Titelerwerb geschrieben, sondern um beim Publikum bestimmte Veränderungen (gemäß der Intentionsanalyse) zu bewirken. Durch eine Doktorarbeit soll das Publikum informiert werden, seinen Wissensschatz mehren.

Um diese Ausrichtung aufs Publikum zu gewährleisten, muss man das Publikum möglichst gut kennen und sich in es hineinversetzen etwa durch Fragen wie „Aus welchen Personen setzt sich das Publikum zusammen?“, „Welches Vorwissen bringen sie mit?“.

Bei Doktorarbeiten besteht das Publikum hauptsächlich aus den Gutachtern (Doktorvater und andere Professoren; eine Ausnahme bilden Dissertationen, die in Verlagen veröffentlicht werden und deren Themen einen breiteren Leserkreis ansprechen). Dissertationen behandeln in der Regel einen kleinen Ausschnitt eines spezialisierten Themenfeldes, über das zwar der Doktorvater mitunter gut informiert ist, das hingegen den übrigen Gutachter in der Regel nur wenig bekannt ist. Man orientiert sich daher am besten an einem interessierten, aber fachlich wenig kompetenten Publikum.

Kontext[Bearbeiten]

In der klassischen Redesituation geht es hier um die Analyse von äußeren Umständen wie Ort, Zeit oder Anlass. Bei einer Doktorarbeit bildet den Kontext zum einen der formale Promotionsprozess, über dessen Regelungen (Fristen, Termine, Ablauf des Promotionsverfahrens, formale Vorgaben zur Textgestaltung etc.) man sich rechtzeitig bei entsprechenden Ämtern (Promotionsbüro, Prüfungsämter) informieren sollte. Zum anderen geht es hier um die Zeitplanung des Gesamtprojekts und der einzelnen Arbeitsschritte. Prinzipiell ist es entscheidend, überhaupt eine – wenn auch recht grobe – Zeitplanung festzulegen; diese bietet einen wirksamen Schutz vor Perfektionismus und übertriebenen Ansprüchen (Kruse, 247).

Den Schreibprozess sollte man eher großzügig planen und die zu investierende Zeit am Umfang des jeweiligen Textabschnitts festlegen, wobei man beachten sollte, dass das Schreiben eines Textabschnitts nur etwa ein Viertel der Zeit benötigt, das Überarbeiten hingegen die restlichen gut drei Viertel in Anspruch nimmt. Die abzuschätzende Zeit hängt von der eigenen Arbeitsweise, den zeitlichen Möglichkeiten und den eigenen Fähigkeiten ab, weshalb kaum allgemeine Richtlinien anzugeben sind. Als Faustregel kann jedoch gelten, dass man für die Fertigstellung von 10 Seiten Text etwa zwei bis drei Wochen veranschlagen sollte.

Stoffsammlung und Gliederung[Bearbeiten]

Nachdem man Intentionen, Publikum, Kontext und besonders den Gegenstand hinreichend analysiert und erforscht hat, kann man damit beginnen, den Stoff zusammenzutragen („Inventio“) und eine Gliederung zu erstellen („Dispositio“), die als Gerüst für den anschließenden Schreibprozess dient.

Je besser die Gliederung ist, desto leichter fällt später das Schreiben des Textes. Die Güte einer Gliederung bemisst sich dabei an folgenden Kriterien: Abgeschlossenheit, Abgerundetheit, Organisation um einen zentralen Punkt und Sichtbarkeit von Zusammenhängen zwischen den Einzelelementen (Kruse, 227). Die Struktur sollte nicht überladen werden; Unwichtiges lässt man besser von vornherein weg.

Da die Gliederung die Basis für das Schreiben des Textes bildet, sollte man hierbei ausreichend gründlich vorgehen. Man sollte die Gliederung kritisch durchdenken und prüfen, sie anderen erklären und von ihnen kritisches Feedback erbitten (Ist die Struktur stimmig? Sind die Zusammenhänge plausibel? Fehlen wichtige Elemente, sind bestimmte Elemente überflüssig?).

Häufig lohnt es, sich gute Dissertationen und Paper des Fachgebiets zum Vorbild zu nehmen und sich bei Fragen zur formalen Gestaltung und zum Aufbau der verschiedenen Passagen an ihnen zu orientieren.

Allerdings sollte man sich auch nicht zu lange mit dem Erstellen der Gliederung aufhalten. Entscheidend ist, das richtige Maß zwischen Abstraktion und Detailliertheit zu wählen und den richtigen Zeitpunkt für den Übergang in die nächste Phase (Schreiben des Textes) zu finden.

Die Technik des Mindmappings ist eine effiziente Methode, um Stoffsammlung („Inventio“) und Stoffordnung („Dispositio“) zu einem Arbeitsschritt zu kombinieren. Mit dieser Technik erhält man eine fein differenzierte, aber stets erweiter- und ergänzbare Struktur, an der man sich „entlang schreiben“ kann.

Mindmapping:

Eine Mindmap-Skizze lässt sich mittels Stift und Papier anfertigen, für die Erstellung der Feinstruktur bietet sich die Verwendung eines Mindmap-Programms auf dem PC an.

Ausgehend vom Themenzentrum zeichnet man Stämme für die Hauptaspekte des Themas; jeder Stamm erhält weitere Äste und Unteräste für die entsprechenden Aspekte und Unteraspekte. Endergebnis ist eine differenzierte Gliederung, bei der verschiedene, aber zueinander gehörige Aspekte zu Kategorien zusammengefasst sind, welche in einer logisch sinnvollen Reihenfolge stehen. Was „logisch sinnvoll“ ist, hängt ab von der Struktur des Themas, der gewählten Perspektive und dem Ziel der Arbeit bzw. des Abschnitts. So sind beispielsweise folgende Strukturtypen möglich: chronologische Struktur, didaktische Struktur (vom Allgemeinen zum Besonderen) oder hierarchische Struktur. Esselborn-Krumbiegel (103) empfiehlt, die Aspekte probehalber entsprechend verschiedener Perspektiven auf verschiedene (logisch konsistente) Weisen anzuordnen, um so den Kern des Themas herauszuschälen.

Auch die (im vorigen Kapitel erwähnten) auf Stichwort-Karteikarten vermerkten Kernaussagen zu den verschiedenen Literaturstellen lassen sich in einer Mindmap kombinieren. Kernaussagen, die zum gleichen Gesichtspunkt gehören, werden zu einer Gruppe zusammengefasst und so lange umgestellt, bis sich eine befriedigende logische Struktur ergibt. Ebenso verfährt man auf den höheren Strukturebenen, so dass sich insgesamt eine stimmige Gesamtstruktur ergibt.

Ressourcen zum Thema "Mindmapping":

Sobald die Struktur der gesamten Arbeit oder von Teilabschnitten steht, kann prinzipiell mit dem Schreiben begonnen werden. Esselborn-Krumbiegel (113ff.) rät, zuvor die Arbeit auf ihren Kern zu konzentrieren, und zwar durch das Schreiben einer Zusammenfassung in Form einer kurzen, möglichst objektiven Rezension (über den Gegenstand der Arbeit, ihre zugrundeliegende Fragestellung und die zutage geförderten Ergebnisse). Diese Zusammenfassung dient als Orientierungspunkt für das weitere Vorgehen und eignet sich dazu, Schwachstellen der Arbeit aufzudecken.

Bei empirischen Arbeiten ist die Grobstruktur, d. h. die Anordnung der Grundbausteine, meist vorgegeben: Einleitung, Methoden, Ergebnisse, Diskussion, Zusammenfassung (außerdem Formalia wie Inhaltsverzeichnis, Literaturverzeichnis, Anhang, Danksagung, Lebenslauf, Deckblatt etc.). Die Länge der einzelnen Grundbausteine sollte vor dem Schreiben abgeschätzt werden (Esselborn-Krumbiegel, 115). Meist bildet der Ergebnisteil den größten Baustein, dann kommen (mit absteigendem Umfang) Diskussion, Einleitung, Methodenteil und Zusammenfassung.

Die Länge der Passagen innerhalb der Grundbausteine bemisst sich nach ihrer Wichtigkeit: Wichtiges wird ausführlicher behandelt als weniger Wichtiges. Für die Struktur der Grundbausteine gelten folgende Konventionen:

  • Einleitung: In der Einleitung soll trichterförmig vom Allgemeinen (Bedeutung des Themas für die Welt) auf das Besondere, das in der Arbeit behandelt wird (Themenausschnitt, eigene Fragestellung), hingeführt werden.
  • Methodenteil: Eine gegebenenfalls vorhandene Ethik-Erklärung steht am Beginn, die Nennung der statistischen Methoden und ihre eventuelle Erläuterung (wenn es sich um wenig bekannte Verfahren handelt) bilden den Schluss.
  • Ergebnisse: Die Ergebnisse werden entweder so präsentiert, wie sie sich aus dem Gegenstand ergeben (natürliche Ordnung), oder man folgt einer formalen Konvention (beispielsweise bei statistischen Arbeiten: zuerst Beschreibung der Stichprobe, dann deskriptive Ergebnisse, dann Zusammenhänge zwischen Variablen).
  • Diskussion: Nach einer Kurzzusammenfassung folgt die Diskussion der Ergebnisse, anschließend die Diskussion der Limitationen und schließlich ein Ausblick zum einen auf die weitere Forschung und zum anderen auf die Bedeutung der Studie für die Welt.

In vielen Fällen bietet es sich an, den Methodenteil noch während der Datenerhebung und -auswertung zu schreiben, weil hier das Wissen um die verwendeten Methoden am frischesten ist. Oftmals lässt sich auch die Einleitung noch während der Datenerschließung verfassen; meist ist es jedoch sinnvoller, zuerst den Ergebnisteil zu schreiben, sich dann der Einleitung und schließlich der Diskussion zuzuwenden. Die Zusammenfassung und Formalia wie Literaturverzeichnis, Inhaltsverzeichnis, Lebenslauf und Danksagung werden grundsätzlich zum Schluss erstellt.

Einleitung[Bearbeiten]

Ziel der Einleitung ist es, knapp über den Stand der bisherigen Forschung in dem bearbeiteten Themenbereich zu informieren und aufzuzeigen, welchen Nutzen die vorliegende Studie verspricht, d. h. welchen Standort innerhalb der Forschungslandschaft die aktuelle Arbeit einnimmt, welches Problem durch sie gelöst werden soll und weshalb dieses Problem für das Fachgebiet und die Welt relevant ist. Anhand der Literatur sollen also Lücken innerhalb der Forschung aufgezeigt werden, die mit der vorliegenden Studie gefüllt werden.

Auch die Hypothesen der Studie sollten vorgestellt und begründet werden (ggf. in einem eigenen Abschnitt „Hypothesen“ oder „Fragestellungen“).

Typischerweise ist die Einleitung trichterförmig aufgebaut: Von (1) der allgemeinen Bedeutung des Fachgebiets für die Welt über (2) die Bedeutung des in der Studie behandelten Gegenstands innerhalb des Fachgebiets und über (3) die bisherige Literatur (dieser Abschnitt kann bei komplexen Gegenständen umfangreicher ausfallen) zur (4) Fragestellung der vorliegenden Studie. Die Einleitung begründet letztendlich, weshalb die Studie durchgeführt und weshalb genau diese Fragestellung in der ausgewählten Perspektive behandelt worden ist (d. h. sie stellt die Lücken der bisherigen Forschung dar, die durch die Arbeit gefüllt werden sollen). Zugleich bereitet die Einleitung den Boden für die Diskussion. Diejenige Literatur, auf die man sich in der Diskussion bezieht, sollte daher in der Einleitung zumindest kurz vorgestellt werden.

Methoden[Bearbeiten]

Der Methodenteil soll den Leser über das in der Arbeit angewandte Vorgehen der Datenerhebung und -auswertung informieren, so dass er die Studie im Prinzip wiederholen könnte. Von Studientyp zu Studientyp sind unterschiedliche Gliederungsschemata gebräuchlich. Im Methodenteil werden keine Ergebnisse vorweggenommen.

Beispiele für Gliederungsschemata:

  • Experimentelle Studien: Genehmigung der Ethikkomission, Beschreibung der Versuchsobjekte, Beschreibung des Versuchsaufbaus, Statistik (statistische Tests, p-Wert für statistische Signifikanz, verwendetes Statistikprogramm).
  • Statistische Studien: Rekrutierung der Studienteilnehmer, Beschreibung des Erhebungsinstruments, Beschreibung des Vorgehens der Erhebung, Statistik (statistische Tests, p-Wert für statistische Signifikanz, verwendetes Statistikprogramm).

Ergebnisse[Bearbeiten]

Der Ergebnisteil soll den Leser knapp, aber vollständig über die Resultate der Erhebung informieren.

Zentrale Elemente des Ergebnisteils sind Abbildungen und Tabellen. Sie bilden die Hauptelemente des Ergebnisteils, gewissermaßen die „Bilder einer Ausstellung“, während der Text nur eine verbindende und kommentierende Funktion erfüllt, gleichsam als „Ausstellungsführer“ fungiert, der den Weg von einem Bild zum nächsten begleitet, bestimmte Aspekte der Bilder hervorhebt und zusätzliche Erläuterungen anbringt. Die Erstellung des Ergebnisteils beginnt daher mit der Anordnung der Bilder in eine schlüssige Reihenfolge. Alle Bilder müssen gemäß der gebräuchlichen Konventionen nummeriert und beschriftet werden (Tabellen erhalten Überschriften, Abbildungen Unterschriften, die Beschriftung beginnt mit „Tabelle“ bzw. „Abbildung“, gefolgt von der Nummer des Elements). Alle Abkürzungen und unklaren Elemente müssen im Beschriftungstext erläutert werden. Der Beschriftungstext beschreibt nur, was im Bild dargestellt ist; es wird nichts interpretiert oder hervorgehoben. Die Bilder müssen allein anhand der Beschriftungstexte vollständig zu verstehen sein. Wenn die Reihenfolge der beschrifteten Bilder steht, kann man mit dem Schreiben des Texts beginnen.

Diskussion[Bearbeiten]

Der Diskussionsteil besteht üblicherweise aus einem ergebnisbezogenen Abschnitt (macht den größten Teil der Diskussion aus), einer Reflexion der Limitationen und einem Ausblick. Beginnen kann man die Diskussion mit einer kurzen Zusammenfassung der Hauptergebnisse, um so vom Ergebnisteil auf den Diskussionsteil überzuleiten.

  • Im ergebnisbezogenen Abschnitt der Diskussion werden die wichtigsten Ergebnisse der Studie herausgestellt, in einen größeren Zusammenhang eingebettet und mit Ergebnissen der bisherigen Forschung verglichen; es werden praktische Schlussfolgerungen gezogen und die Nützlichkeit der Ergebnisse für das Forschungsgebiet und für die Welt hervorgehoben.
  • Ein Kapitel sollte man reservieren für eine selbstkritische Reflexion von Limitationen und methodischen Einschränkungen der eigenen Studie und für Vorschläge, wie sich diese Limitationen künftig vermeiden oder mildern lassen. Dieser Abschnitt ist wichtig, da er zum einen die für wissenschaftlichen Fortschritt essenzielle Tugend der Selbstkritik pflegt und zum anderen möglicherweise entscheidende Impulse für künftige Arbeiten liefert.
  • In einem Ausblick lassen sich zum einen Anregungen für die weitere Forschung geben: Welche Aspekte des Themas noch erforscht werden könnten, welche weiteren Fragen mit der aktuellen Arbeit aufgeworfen wurden und wie diese beantwortet werden könnten, welche andere Methoden angewandt werden könnten, welche Lücken noch bestehen bleiben und wie sie in künftigen Studien geschlossen werden könnten. Zum anderen kann dieser Abschnitt darauf hinweisen, wie sich die mit dieser Studie gewonnenen Erkenntnisse auf die Praxis übertragen und zum Fortschritt der Wissenschaft und Wohl der Menschheit einsetzen lassen.
Die rhetorische Situation

Die Homöopathie [ˌhomøopaˈtiː] (von altgriechischὅμοιοςhómoios ‚gleich, gleichartig, ähnlich‘ sowie πάθοςpáthos ‚Leid, Schmerz, Affekt, Gefühl‘; wörtlich also „ähnliches Leiden“)[1] ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Nach Hahnemann ist Krankheit „eine besondre Stimmung“ des Organismus,[2] die der Heilkünstler anhand der Symptome zu erkennen und zu beseitigen habe.[3]

Ihre namensgebende und wichtigste Grundannahme ist das von Hahnemann formulierte Ähnlichkeitsprinzip: „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur). Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“[4] des Patienten berücksichtigt werden solle. Hierzu wurden von Hahnemann und seinen Nachfolgern ausgedehnte Tabellen (Repertorien) erstellt, mit deren Hilfe der Homöopath den Patienten und seine Krankheitserscheinungen einem Arzneimittelbild zuordnen soll.

Zur Herstellung der homöopathischen Arzneimittel werden die Grundsubstanzen einer sogenannten Potenzierung (Verdünnung) unterzogen, das heißt, sie werden wiederholt (meist im Verhältnis 1:10 oder 1:100) mit Wasser oder Ethanolverschüttelt oder mit Milchzucker verrieben. Die Verdünnung wurde zunächst wegen der Giftigkeit vieler der verwendeten Stoffe durchgeführt. Erst in einer späteren Phase verordnete Hahnemann „Hochpotenzen“. Hahnemann nahm an, dass durch das besondere Verfahren der Potenzierung oder „Dynamisierung“ eine „im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft“[5] wirksam werde.[6] Zur Begründung der Hochpotenzen ging er davon aus, dass sich hier „die Materie […] roher Arznei-Substanzen […] zuletzt gänzlich in ihr individuelles geistartiges Wesen auflöse“.[7]

Diese behauptete selektive Steigerung erwünschter Wirkungen durch die Prozeduren des Verdünnungsverfahrens, die von einigen Autoren auch als „rituell“ bezeichnet werden,[8][9] widerspricht naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.[10] Die Lehre der Homöopathie wird daher zu den Pseudowissenschaften gezählt.[11][12][13] Auch das hahnemannsche Ähnlichkeitsprinzip ist wissenschaftlich nicht haltbar.[14][15]Klinische Studien nach wissenschaftlichen Standards konnten keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel nachweisen.[16][17] Wahrgenommene Erfolge einer Behandlung[18] werden dem Behandlungsumfeld, nicht dem Mittel selbst zugeschrieben, etwa dem Glauben des Patienten an die Wirksamkeit der Behandlung (Autosuggestion) oder der Qualität der Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten.[19][20] Der Fachbereich Humanmedizin der Philipps-Universität Marburg verwarf die Homöopathie 1992 im Rahmen der „Marburger Erklärung zur Homöopathie“ als „Irrlehre“.[18]

Bei einer 2009 in Deutschland durch das Allensbach-Institut durchgeführten Erhebung brachten 17 % der Befragten homöopathische Arzneimittel mit dem Verdünnungs- oder Ähnlichkeitsprinzip in Verbindung.[21] Im Jahr 2015 wurden in Deutschland Homöopathika für 595 Mio. Euro umgesetzt, das war ein Wachstum von 12,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.[22] 2016 stieg der Umsatz um 4,5 Prozent, die Zahl der abgegebenen Packungen stieg hingegen nur um 0,3 Prozent. Im ersten Halbjahr 2017 war der Absatz geringer als im ersten Halbjahr 2016.[23]

Grundsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Homöopathie ist eine weit verzweigte Praxis mit vielen Varianten. Alle homöopathischen Lehren berufen sich auf Hahnemann und das Ähnlichkeitsprinzip, weichen aber in anderen Punkten teilweise erheblich voneinander ab. Die meisten Homöopathen sehen das Ähnlichkeitsprinzip, die „Arzneimittelprüfung am Gesunden“, die Erhebung des individuellen Krankheitsbildes durch eine ausführliche Anamnese und die „Potenzierung“ bei der Herstellung der homöopathischen Arzneimittel als Grundsätze der Homöopathie an.[24][25]

Ähnlichkeitsprinzip (Simile-Prinzip) [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ähnlichkeits- oder Simileprinzip – „similia similibus curentur“ („Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“) – sollen Krankheiten durch Mittel geheilt werden, die bei einem Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen, wie sie bei dem Kranken beobachtet werden:[24]

„Jedes wirksame Arzneimittel erregt im menschlichen Körper eine Art von eigner Krankheit, eine desto eigenthümlichere, ausgezeichnetere und heftigere Krankheit, je wirksamer die Arznei ist. Man ahme der Natur nach, welche zuweilen eine chronische Krankheit durch eine andre hinzukommende heilt und wende in der zu heilenden (vorzüglich chronischen) Krankheit dasjenige Arzneimittel an, welches eine andre, möglichst ähnliche, künstliche Krankheit zu erregen im Stande ist und jene wird geheilet werden; Similia similibus.“

– Samuel Hahnemann, 1796[26]

Die Idee eines Simile-Prinzips lässt sich nicht allein auf Hahnemann zurückführen.[27] Ansatzweise findet sie sich bereits im Corpus Hippocraticum und den Schriften des Theophrast von Hohenheim(Paracelsus):[28]

„Die Krankheit entsteht durch Einflüsse, die den Heilmitteln ähnlich wirken, und der Krankheitszustand wird beseitigt durch Mittel, die ihm ähnliche Erscheinungen hervorrufen.“

– Hippokrates von Kos (460 v. Chr. – um 370 v. Chr.)[29]

„Ähnliches wird durch Ähnliches behandelt und nicht Gegensätze durch Gegensätze.“

– Theophrast von Hohenheim (1493–1541)[30]

Die Entwicklung zum zentralen Prinzip der Homöopathie geht unter anderem auf einen Selbstversuch Hahnemanns zurück, mit dem er herausfinden wollte, wie die damals schon als Mittel gegen Malaria bekannte Chinarinde wirkt („Chinarindenversuch“).[28][31] Nach sechs Jahren weiterer Experimente an sich und seinen Familienmitgliedern mit anderen Substanzen formulierte Hahnemann 1796 das Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie in Form eines Postulats, veröffentlicht in Christoph Wilhelm HufelandsJournal der praktischen Arzneikunde. Hahnemann schrieb hierzu in seinem Grundlagenwerk der Homöopathie, dem Organon der Heilkunst:

„Durch Beobachtung, Nachdenken und Erfahrung fand ich, daß im Gegentheile von der alten Allöopathie die wahre, richtige, beste Heilung zu finden sei in dem Satze: Wähle, um sanft, schnell, gewiß und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll!“

– Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst. 6. Auflage[32]

Voraussetzungen für die Anwendung des Ähnlichkeitsprinzips in der Homöopathie sind zum einen die Kenntnis der Wirkung der homöopathischen Mittel (siehe „Homöopathische Arzneimittelprüfung“) und zum anderen die exakte Erfassung des Symptombildes des Patienten in der homöopathischen Anamnese (siehe „Wahl des Mittels“).[24]

Schon Zeitgenossen Hahnemanns haben die Beliebigkeit des Ähnlichkeitsprinzips kritisiert,[30] welches aus wissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar ist.[33] So bezeichnete Ludwig Griesselich das Simile-Prinzip als Sack, in den „man Alles hineinstecken kann“. Bis heute wurde noch kein Medikament nach diesem Prinzip entdeckt, das Eingang in die evidenzbasierte Medizin gefunden hat.[34] Hahnemanns Chinarindenversuch konnte nie reproduziert werden. Es wird vermutet, dass Hahnemann allergisch auf Chinarinde reagiert hatte.[35][36]

Homöopathische Arzneimittelprüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis heute werden in der Homöopathie Arzneimittelprüfungen durchgeführt, die jedoch keineswegs arzneimittelrechtlichen Medikamentenstudien gemäß dem Arzneimittelgesetz (siehe unten) entsprechen, sondern nach Hahnemanns Vorgaben durchgeführt werden: Homöopathische Prüfer, die gesund sein müssen, nehmen ein Mittel ein und notieren anschließend alle Veränderungen und Reaktionen, die sie an sich feststellen.

Die aufgezeichneten Symptome mehrerer solcher Prüfungen werden zu einem homöopathischen Arzneimittelbild zusammengefasst und in Verzeichnissen geordnet. Je nach Ordnungskriterium handelt es sich dabei entweder um Arzneimittellehren (nach Mitteln geordnet) oder um Repertorien, die nach Symptomen zusammengestellt werden.[37][38]

Hahnemann selbst hatte schon im Jahre 1805 angebliche Wirkungen von 27 verschiedenen Mitteln an gesunden Menschen beschrieben.[39][40] Er betonte, dass sämtliche Befindlichkeiten der Probanden während der Wirkungszeit des Mittels als durch dieses ursächlich hervorgerufen gelten müssten, selbst wenn der Prüfer Ähnliches in anderen Zusammenhängen beobachtet habe.[41]

Diese Prüfungen wurden bereits im 19. Jahrhundert als „höchst unwissenschaftlich“ kritisiert. Ihre „Kunst“ bestehe darin, „durch wirksame oder giftige Arzneistoffe, lange vor Hahnemann bekannte Erscheinungen und Vergiftungssymptome hervorzurufen, welche allerdings dieser oder jener Krankheit, oft aber auch mehreren und sehr verschiedenen Leiden zukommen“[42]. Schon 1927 war in den Originalschriften von Samuel Hahnemann[43] zu finden, dass Berichte von nicht weniger als 716 Symptomen vorlägen, die Hahnemann durch Reiben mit Magneten an Personen erhalten habe.[44] Eine von einigen Homöopathen durchgeführte Untersuchung von Arzneimittelprüfungen der Jahre 1945 bis 1995 ergab, dass diese Prüfungen sehr unterschiedlich gehandhabt wurden und meist von sehr niedriger Qualität waren.[45]

Es gibt keine einheitlichen Vorschriften für Arzneimittelprüfungen, lediglich Empfehlungen.[46]

Homöopathische Anamnese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der homöopathischen Anamnese eines Patienten, d. h. einer Beobachtung und Befragung, wird versucht, das gesamte Symptombild und die Art der „Verstimmung der Lebenskraft“ zu erfassen. Im Unterschied zur Anamnese in der naturwissenschaftlichen Medizin wird in der homöopathischen Anamnese der Patient auch über eine Vielzahl von Sachverhalten befragt, die aus naturwissenschaftlicher Sicht unerheblich sind. Ziel ist es, dasjenige Mittel herauszufinden, bei welchem die beim gesunden Menschen beobachteten Symptome möglichst mit denen übereinstimmen, die bei der Anamnese des Kranken erfasst wurden (Repertorisierung, Repertorisation).[47][48][49][50]

Potenzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Potenzieren (Homöopathie)

Ein weiterer Grundsatz der Homöopathie ist die Verwendung „potenzierter“ Mittel. Unter Potenzierung ist die starke Verdünnung bei gleichzeitiger „Dynamisierung“ (Verschüttelung oder Verreibung; siehe unten) zu verstehen. Die Mittel werden durch stufenweise durchgeführtes Potenzieren aus „Urtinkturen“ (pflanzlichen und tierischen Ursprungs: Symbol: Ø oder mineralischen und chemischen Ursprungs: Symbol O) und aus Verdünnungsmitteln wie Ethanol, destilliertem Wasser, Glycerin und Milchzucker hergestellt. Homöopathische Mittel werden flüssig (Dilution) oder als Globuli, in tiefen Potenzen auch in Form von Tabletten angewendet.[25]

Hahnemann führte die Potenzierung um 1798 ein.[51] Nach seinen Anweisungen wurden Homöopathika in Hunderterschritten potenziert („C-Potenzen“). Das heute gebräuchlichere Dezimalsystem zur Potenzierung und Bezeichnung der Potenzen, z. B. D10, wurde vom Heilpraktiker und späteren Arzt Arthur Lutze entwickelt und von Constantin Hering in die Behandlung eingeführt.[52][53] Aus der Sicht der Homöopathen ist die Wirkung einer bloßen Verdünnung nicht mit der eines potenzierten, also verschüttelten oder verriebenen Mittels vergleichbar. Von Hahnemann wurde schon im Organon der Heilkunst (Anmerkung zu § 11) die Wirkung eines potenzierten Mittels nicht der körperlichen Substanz oder physischen Wirkung eines Arzneistoffes, sondern einer diesem innewohnenden, immateriellen, durch das Dynamisieren daraus freigewordenen „spezifischen Arzneikraft“ zugeschrieben.[54] Heutige Homöopathen, die Hochpotenzen anwenden, nehmen an, bei der Potenzierung, auch Dynamisierung genannt, werde durch die Energiezufuhr beim Verschütteln oder Verreiben eine Information an das Lösungsmittel abgegeben und bei jedem Potenzierungsschritt verstärkt, auch wenn keine Moleküle des Arzneimittels mehr in der Lösung vorhanden sind.[55][56] Es existieren keine Belege für die Existenz der postulierten immateriellen Energiezufuhr durch die rituellen mechanischen Prozeduren. Die mit dieser Methode hergestellten Lösungen unterscheiden sich nicht von einfach nur verdünnten Lösungen.[34]

Die Verdünnung unter die chemische Auflösungsgrenze (ab D23 – siehe auch Avogadro-Konstante) ist kein zwingendes Element der Homöopathie. Viele Heilpraktiker und einige Ärzte arbeiten in Deutschland auch mit den Verdünnungen 1:10.000 und 1:1.000.000 (D4 und D6), in denen die Stoffe noch in nennenswerter Konzentration vorliegen. Bei diesen nur schwach verdünnten Mitteln sind die regulären Dosis-Wirkungs-Beziehungen des verwendeten Stoffes zu beachten und diverse Wirkungen möglich. Neben der bekanntesten D-Potenzierungsreihe (1:10) gibt es noch die C-Reihe (1:100), die M- (1:1000) und die LM- oder Q-Reihe (1:50.000).

Die Fluxionspotenzierung nach Dellmour ist eine Sonderform der flüssigen Potenzierung, die ohne Verschütteln erfolgt. Durch Turbulenzen der zuzufügenden Flüssigkeit bei der Zugabe ins Potenzierungsgefäß soll das Verschütteln unnötig sein. Jedoch sei der Dynamisierungseffekt geringer, so dass sehr hohe Potenzgrade hergestellt werden müssten.[53]

Bei der K-Potenzierung nach Semjon Nikolajewitsch Korsakow, einem russischen Homöopathen, erfolgt die Potenzierung vereinfacht in nur einem Glas. Die Methode wurde zwar nicht in das Homöopathische Arzneimittelbuch (HAB) aufgenommen, dennoch stellen einige Firmen aus Zeit- und Kostengründen Hochpotenzen nach dieser Methode her.[53]

Aus Sicht einiger Homöopathen müsste eine „Schwache Quantentheorie“ zur Erklärung der Homöopathie heranzuziehen sein.[57][58] Dabei wird das Phänomen der Verschränkung jedoch ohne klare mathematische Definition auf grundlegend verschiedene Systeme wie ein homöopathisches Mittel und Krankheitssymptome angewandt; die extrem leichte Zerstörbarkeit verschränkter Zustände wird nicht berücksichtigt.[59]

Als Versuch der Erklärung eines „Gedächtniseffekts von Wasser“ werden von einigen Homöopathen strukturelle Veränderungen am Wasser als Lösungsmittel angeführt.[60] Diese Gedächtnisfunktion ist jedoch, selbst nach Ansicht von anderen Vertretern der Homöopathie, nicht mit den Kenntnissen über Wasser vereinbar.[61]

D Skala C Skala Verdünnung / Mischung Bemerkungen
Ø/O Ø/O 1:1
  • Urtinktur, unverdünnt (Urtinktur besteht je zur Hälfte aus Arzneimittel und Ethanol)[62]
  • Ungiftige Urtinkturen, etwa von der Ringelblume (Calendula officinalis), sind apothekenpflichtig, aber frei erhältlich.[63]
D1 1:10
1:101
  • Niedrigpotenzen von Giften wie Quecksilber (Mercurius solubilis), Tollkirsche (Belladonna) usw. sind toxisch. So kann beispielsweise das vor allem in der von Homöopathen als „Laienhomöopathie“ bezeichneten Form als D6 oder D12 verwendete Arsen(III)-oxid (Arsenicum album) in der Dosierung von 1 g der D1-Lösung tödlich sein.[64]
D2 C1 1:100
1:102
D4 C2 1:10.000
1:104
  • Entspricht im Volumen ca. einem Tropfen auf einen halben Liter Lösungsmittel.
  • Bei auf D4 verdünnten Giften können Vergiftungserscheinungen auftreten. Beispielsweise führt Arsenicum album D4, 3 mal täglich 5 Tropfen über Wochen aufgenommen, zu chronischen Vergiftungserscheinungen.[65]
D6 C3 1:1.000.000
1:106
D8 C4 1:100.000.000
1:108
  • Entspricht etwa einem Tropfen auf 5 m3 (5000 Liter ≈ 25 gefüllte Badewannen) Lösungsmittel
  • Entspricht etwa dem Grenzwert von Arsen im Trinkwasser.[69] Ab dieser Konzentration sind auch bei langfristigem Konsum keine Gesundheitsrisiken zu erwarten.
D24 C12 1:1024
  • Entspräche etwa einem Tropfen im Volumen des Atlantiks
  • Bei dieser Potenz enthalten in einem idealisierenden Gedankenexperiment nur etwa die Hälfte aller 1-Liter-Flaschen D24-Lösung ein Molekül einer einmolaren Urtinktur; dementsprechend wird ab hier kaum noch verdünnt, sondern nur noch Lösungsmittel mit Lösungsmittel gemischt.
D60 C30 1:1060
  • Hier käme ein Tropfen auf Milliarden von Galaxien[70]
  • Von Hahnemann bevorzugte und für die Arzneimittelprüfungen empfohlene Potenz. Hochpotenzen von Belladonna haben bei homöopathischen Arzneimittelprüfungen keinen Unterschied zu Placebos ergeben.[71]
D1000 C500 1:101.000
C1000 1:102.000

Legende: grün = Niedrigpotenzen, die eine toxikologische oder pharmakologische Wirkung besitzen können; gelb = Die Potenzierung und chemische Wirksamkeit stoßen an die chemisch-physikalischen Grenzen; rosa = Hochpotenzen. Potenzierungen in diesem Bereich überschreiten die chemischen und physikalischen Möglichkeiten.

Homöopathie in der Geschichte der Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Samuel Hahnemann begründete die Lehre der Homöopathie und spielt damit bis heute eine große Rolle für Anhänger der Homöopathie. Er galt als scharfzüngiger Kritiker der zeitgenössischen Medizin des 18. Jahrhunderts, die Methoden wie Aderlass, Brechkuren und Drastika nutzte.[73]

„Es scheint das unselige Hauptgeschäft der alten Medicin zu sein, die Mehrzahl der Krankheiten, die langwierigen, durch fortwährendes Schwächen und Quälen des ohnehin schon an seiner Krankheitsplage leidenden, schwachen Kranken und durch Hinzufügung neuer, zerstörender Arzneikrankheiten, wo nicht tödtlich, doch wenigstens unheilbar zu machen, – und, wenn man dies verderbliche Verfahren einmal am Griffe hat, und gegen die Mahnungen des Gewissens gehörig unempfindlich geworden, ist dieß ein sehr leichtes Geschäft!“

– Samuel Hahnemann[74]

Gegen die aus dem Mittelalter stammende Medizin, die bis ins 18. Jahrhundert wirkte, setzte Hahnemann die Idee und Praxis der Homöopathie mit dem Ziel, zu einer individualisierten und milden Behandlung zu gelangen. Er wollte damit zeigen, dass Krankheiten auch ohne Blutverlust und Abführmittel in Heilung enden können. Seine Anregung zu experimentellen Untersuchungen über die Arzneiwirkung im gesunden Menschen war neu. Die Ideen und Experimente der Homöopathie blieben, weil ihre Beweisverfahren zu weit von gewissenhafter Kritik, von naturwissenschaftlicher Logik und gründlicher Forschung entfernt waren, für die sich entwickelnde wissenschaftliche Medizin des 19. Jahrhunderts von geringer Bedeutung.[73] Trotz zahlreicher Anläufe wurde die Homöopathie im 19. und 20. Jahrhundert an keiner deutschsprachigen Universität dauerhaft institutionalisiert. Die Einrichtung von Lehrstühlen scheiterte am Widerstand der medizinischen Fakultäten.[75]

Erste Hinweise auf die Arzneimittelprüfung am Gesunden finden sich 1790 in der als Fußnote eingeschobenen Schilderung des „Chinarindenversuchs“ in Hahnemanns Übersetzung von William Cullens Arzneimittellehre.[76]

Hahnemanns Heilkunde der Erfahrung (1805)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1805 formulierte Hahnemann seine Sichtweise in der Arbeit Heilkunde der Erfahrung.[77][78] Er trat in dieser Schrift als eine Art Reformator auf,[79][80] der die seit der Antike gewonnenen medizinischen Kenntnisse verwarf: „Zwei tausend Jahre wurden von den Aerzten verschwendet, um die unsichtbaren innern Veränderungen des Körpers bei den vorkommenden Krankheiten, ihre nächste Ursache und das apriorische Wesen derselben zu ergrübeln, weil sie wähnten, nicht eher heilen zu können, bis sie diese unmögliche Kenntniss ergrübelt hatten.“[81]

Gegen eine Ergründung der Ursachen von Krankheiten setzte er seine Erfahrungsheilkunde: „Wenn wir aber auch die den Krankheiten zum Grunde liegenden, innern Körperveränderungen nie einsehen können, so hat doch die Uebersicht ihrer äussern Veranlassungen einigen Nutzen. Keine Veränderung entsteht ohne Ursache. Die Krankheiten werden ihre Entstehungsursachen haben, so verborgen sie uns auch in den meisten Fällen bleiben.“[81]

Der Arzt habe die Rolle, eine Krankheit über ihre Symptome zu beschreiben: „Mit diesem sorgfältigen Eifer wird der Arzt das reine Bild der Krankheit aufgezeichnet, er wird die Krankheit selbst vor sich haben in Zeichen, ohne welche sich keine verborgene Eigenschaft der Dinge, und eben, so wenig eine Krankheit dem blos nach Wahrnehmungen seiner Sinne erkennenden, irdischen Menschen ausspricht.“[81] Die nachfolgende Aufgabe sei: „Ist die Krankheit gefunden, so müssen wir das Heilmittel suchen.“[81]

1805 erklärte Hahnemann: „Blos jene Eigenschaft der Arzeneien, eine Reihe spezifischer Krankheitssymptomen im gesunden Körper zu erzeugen, ist es, wodurch sie Krankheiten heilen, das ist, den Krankheitsreiz durch einen angemessenen Gegenreiz aufheben und verlöschen können.“[81]

Gegen diese Reize verwendete er Arzneimittel: „So gewiss jede Pflanzenart in ihrer äussern Gestalt, in der eigenen Art ihres Lebens, in ihrem Geschmacke, Geruche u.s.w. von einer andern Pflanzenart und Gattung – so gewiss jedes Mineral, jedes Salz in seinen äussern sowohl, als innern physischen Eigenschaften verschieden ist, so gewiss sind sie sämmtlich unter sich selbst, in ihren Arzneikräften, das ist, in ihrer krankmachenden Kraft verschieden; jede dieser Substanzen wirkt auf eine eigene, bestimmte Weise eine Abänderung unsers Gesundheitszustandes. Die meisten Substanzen des Thier- und Pflanzenreiches sind in ihrem rohen Zustande arzneilich, die aus dem Mineralreiche aber sowohl im rohen als im zubereiteten Zustande. Am reinsten zeigen die Arzeneimittel die Natur ihrer krankhaften Potenz und ihre absolute, wahre Wirkung im gesunden menschlichen Körper, wenn man jedes allein und unvermischt nehmen lässt.“[81]

Der Chinarindenversuch – Die Geburtsstunde der Homöopathie?[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutige Homöopathen sehen den Selbstversuch Hahnemanns mit Chinarinde als Geburtsstunde der Homöopathie an, da er das Ähnlichkeitsprinzip (Simile-Prinzip) belege.[82][83]

„Ich nahm des Versuchs halber etliche Tage zweimahl täglich jedesmahl vier Quentchen gute China ein; die Füse, die Fingerspitzen, u.s.w. wurden mir erst kalt, ich ward matt und schläfrig, dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls ward hart und geschwind, eine unleidliche Aengstlichkeit, ein Zittern (aber ohne Schauder), eine Abgeschlagenheit durch alle Glieder; Dann ein Klopfen im Kopfe, Röthe der Wangen, Durst, kurz alle mir sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptome erschienen nacheinander; doch ohne eigentlichen Fieberschauder.“

– Samuel Hahnemann (1790)[84]

Hahnemann selbst erwähnte den Versuch außerhalb dieser Beschreibung nur weitere drei Mal, in einem kürzeren Fachartikel,[85] der Beantwortung eines Briefes[86] und seiner Reinen Arzneimittellehre. (Band 3. 1817/1830).
Historisch gesehen spielte der Chinarindenversuch Hahnemanns innerhalb der Homöopathie auch in Bezug auf seine Gültigkeit und Nachvollziehbarkeit nur eine untergeordnete Rolle. Fundstellen in einschlägigen Zeitschriften und Lexika sind dazu selten.[83][87][88] Teile der Versuchsbeschreibung Hahnemanns finden sich jedoch auf zahllosen entsprechenden Webseiten.

Hahnemanns Versuch konnte bis heute weder von Homöopathen noch von wissenschaftlichen Medizinern erfolgreich reproduziert werden. Zwei Beispiele: Der Arzt Johann Christian Jörg ließ 1821 vier Medizinstudenten eine nach der Beschreibung Hahnemanns gewonnene Tinktur aus Chinarinde trinken. Bei keinem der Probanden traten die von Hahnemann beobachteten Symptome auf.[89] Die beiden Ärzte Hans-Joachim Krämer und Ernst Habermann führten 1997 einen Selbstversuch nach Hahnemanns Angaben durch, der ebenso keine der Angaben Hahnemanns bestätigte, aber zu Verdauungsproblemen führte.[90]

Der medizingeschichtlich arbeitende Homöopath Georg Bayr wertet den Versuch aus heutiger Sicht: „Der Chinarindenversuch basiert auf Intuition. Er war zufällig. Es war ein zeitbedingter Irrtum. Der Irrtum war fruchtbar, da die Homöopathie daraus entstand.“[91]

Der Wirkmechanismus der Chinarinde bzw. des darin enthaltenen Chinins, das 1820 durch Extraktion mit Alkohol aus der Chinarinde isoliert wurde, auf die Krankheit Malaria ist heute bekannt. Chinin wirkt bei ungeschlechtlichen Formen des Malariaerregers als Hemmer der Nucleinsäuresynthese und hindert so den Erreger an seiner Vermehrung.[92] Chinin wirkt außerdem schmerzstillend, fiebersenkend und örtlich betäubend.[93] Möglicherweise handelte es sich bei Hahnemanns Selbstbeobachtungen um eine allergische Reaktion aufgrund einer Sensibilisierung für Chinin, da er das Mittel bereits früher eingenommen hatte.[36][94] Andererseits ist Chinin als Diastereomer des Chinidin bekannt, das die Herzfrequenz erhöht. Dieser Effekt der Herzfrequenzerhöhung wurde zu dieser Zeit als Fieber gewertet, da Thermometer für die Fiebermessung nicht üblich waren. Dies könnte ebenfalls Hahnemanns Beobachtung erklären.

Hahnemann verzichtete zunächst auf Versuche einer theoretischen Begründung. In seinem Spätwerk[95] bezog er sich – offensichtlich bemüht um eine nach damaligen Maßstäben wissenschaftliche Begründung – auf vitalistische Vorstellungen („Umstimmung der Lebenskraft“).

Hahnemanns Lehre von den chronischen Krankheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach jahrelangen praktischen Erfahrungen mit der Homöopathie stellte Hahnemann fest, dass bestimmte chronische Krankheitsverläufe homöopathisch nicht zu heilen waren. Ab 1816 entwickelte er deshalb eine Methode zur Behandlung chronischer Krankheiten. 1828 veröffentlichte er die Ergebnisse seiner Forschung in einem fünfbändigen Werk mit dem Titel Die chronischen Krankheiten. Nach seiner Theorie liege den chronischen Krankheiten ein Miasma, eine Art tief liegendes „Ur-Übel“, zugrunde. Hahnemann unterteilte die Miasmen in Psora (als Folge der Krätze), Sykosis (Feigwarzenkrankheit als Folge der Gonorrhoe) und Syphilis. Hahnemanns Arbeit nach der Erkenntnis der Miasmen war der Versuch, die Psora auszumerzen, wie er schrieb. Von Gegnern wurde kritisiert, dass er zwölf Jahre weiter die homöopathische Behandlung propagierte, obwohl „die homöopathische Behandlung von sieben Achteln der chronischen Krankheiten eine ganz nutzlose gewesen sei.“[42]

Sein Verständnis der chronischen Krankheiten bewegte sich zwar im Rahmen der damaligen medizinischen Erkenntnisse. Die Miasma-Lehre gilt heute jedoch als überholt. Mit der Entdeckung des Cholera-Erregers 1884 durch Robert Koch wurde das Ende der Miasma-Lehre in der Hochschulmedizin eingeläutet. Syphilis und Cholera werden erfolgreich mit Antibiotika behandelt. Feigwarzen sind Folge einer Infektion mit Humanen Papillomviren.

In der klassischen Homöopathie jedoch werden die praktischen Konsequenzen der Miasma-Lehre bis heute berücksichtigt.[96][97]

Weltweite Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon zu Hahnemanns Lebzeiten und später verbreitete sich die Homöopathie international.[25]

Die Ausbreitung in Frankreich wurde durch Hahnemanns Wirken dort befördert. Mélanie d’Hervilly heiratete ihn 1835 und zog mit ihm nach Paris, wo er die dank der Beziehungen seiner Frau florierende Praxis bis zu seinem Tod 1843 betrieb. Seine Frau betrieb die Praxis anschließend ohne Lizenz weiter, bis sie gegen 1870 das Haus verkaufen musste. Gegen Ende ihres Lebens erhielt sie schließlich die ärztliche Zulassung und war damit die erste homöopathische Ärztin.[25][98]

In Großbritannien praktizierten homöopathische Ärzte schon seit den 1830er Jahren. Die englische Königsfamilie ließ sich seit dem 19. Jahrhundert homöopathisch behandeln und trat öffentlich für diese Therapieform ein.[25]

Während sich die Homöopathie auch in weiteren europäischen Ländern, wie Belgien und den Niederlanden, Österreich und der Schweiz, Spanien, Italien und Griechenland verbreitete, ist sie in Skandinavien vergleichsweise schwach vertreten.[25]

In den 1820er und 1830er Jahren wurden homöopathische Praktiken sowohl innerhalb als auch außerhalb der akademischen Medizin in den Vereinigten Staaten eingeführt.[99][100] Auch in Ländern Südamerikas, wie Brasilien, Kolumbien, Chile und Argentinien, etablierte sich die Homöopathie. Der Argentinier Tomás Pablo Paschero bezog dabei Methoden der Tiefenpsychologie in die Behandlung ein.[96]

Um 1830 wurde die Homöopathie unter anderem durch den siebenbürgischen Arzt Johann Martin Honigberger nach Indien gebracht, wo sie breit akzeptiert wurde.[101] Allerdings haben auch politische Gründe eine Rolle dabei gespielt: die Homöopathie kam aus dem Deutschen Reich, das politisch der Gegner der britischen Kolonialherren war. Heute ist die Homöopathie im öffentlichen Gesundheitswesen Indiens fest verankert und anerkannt. In den 1980er Jahren waren 17,6 % des lizenzierten medizinischen Personals Homöopathen. 7 % aller Ambulanzen wurden von Homöopathen geleitet. Es existieren 200 Colleges und ein eigener Forschungsrat.[102]

Der erste Doppelblindversuch der Medizingeschichte im Jahr 1835[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Methoden experimenteller Medizin wurden zuerst in der Auseinandersetzung mit alternativer Medizin entwickelt: So publizierte bereits 1835 der Theologe und Redakteur George Löhner einen unter Beteiligung von Ärzten, Apothekern und anderen Honoratioren in Nürnberg durchgeführten Test der Wirkung einer homöopathischen Kochsalzlösung an einer Gruppe von 55 freiwilligen, gesunden Probanden. 42 Personen hatten „gar nichts Ungewöhnliches“ bemerkt (19 Kochsalz-Potenz, 23 Wasser), 9 Personen hatten „etwas Ungewöhnliches“ bemerkt (6 Kochsalzpotenz, darunter aber einer, der wusste, dass er die Potenz eingenommen hatte, 3 Wasser). Während die Kommission folgerte, dass die Potenzierung keine Wirkung habe,[103] reagierten homöopathische Zeitschriften mit heftigen Polemiken.[104]

Der MedizinhistorikerMichael Stolberg kritisiert 2006, dass eine Verzerrung durch die persönliche Haltung der Versuchsteilnehmer zur Homöopathie nicht ausgeschlossen wurde; durch eine Mitteilung, nichts Ungewöhnliches bemerkt zu haben, konnten diese das Gesamtergebnis negativ beeinflussen. Er würdigt jedoch die Anwendung moderner Elemente des Studiendesigns: Der Versuch sei „ein sehr frühes Beispiel für Randomisierung und doppelte Verblindung.“[105]

Laienhomöopathie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die medizinische Versorgung erfolgte im 18. Jahrhundert durch Ärzte, überwiegend aber durch Bader und Wundärzte. Zusätzlich trugen viele Laien mit Kenntnissen über die Heilkraft von Pflanzen, Mineralien und anderen Wirkstoffen zu Heilbehandlungen bei.[25] Die Ausbreitung der Homöopathie förderten nicht nur Ärzte, sondern auch Patienten und Laienbehandler. Im 19. Jahrhundert gewann die Homöopathie besonders in Kreisen des Adels und bei gebildeten Bürgern Anhänger und Multiplikatoren. Die Homöopathie stand von Anfang an der Religion nahe. Viele der ersten Homöopathen waren Pfarrerssöhne oder Theologiestudenten. In Frankreich trat der Klerus offen für Hahnemanns Lehre ein. Viele auf dem Land lebende Pfarrer praktizierten Homöopathie, besonders in Österreich. Aber auch Gutsbesitzer, Kaufleute und andere waren an der Verbreitung der Homöopathie beteiligt. Gefördert wurde diese Entwicklung durch die homöopathische Hausarztliteratur, wie Carl Gottlob Casparis Homöopathischer Haus- und Reisearzt[106] und Constantin HeringsHomöopathischer Hausarzt,[107] die seit Ende der 1820er Jahre erschien.[108][109] In ihr wurde die Behandlung häufiger Krankheiten mit einfachen Mitteln geschildert. In diese Zeit fallen die ersten homöopathischen Vereinsgründungen.[25] Ab 1830 gab es auch Zeitschriften, die sich vor allem an Laien richteten. So gab beispielsweise der Paderborner Arzt Peter Meinolf Bolle zwischen 1855 und 1871 die Populäre Homöopathische Zeitung heraus. Die bedeutendste homöopathische Laienzeitschrift war die Leipziger populäre Zeitschrift für Homöopathie, welche ab 1870 erschien.[109]

Laienvereine Die deutschen homöopathischen Laienvereine sind ein weltweit einmaliges Phänomen. Zwischen 1870 und 1933 wurden 444 solcher Vereine gegründet, vor allem in Württemberg, Sachsen, Preußen und Baden.[109] 1914 waren zwei Prozent der württembergischen Bevölkerung Mitglied in einem homöopathischen Verein. Die Vereine boten neben Geselligkeit und Freizeitgestaltung vor allem Zugang zu homöopathischem Wissen und Behandlung in Form von Selbsthilfe. Sie schafften homöopathische Hausarztliteratur an und machten diese ihren Mitgliedern zugänglich. Herzstücke der Vereine waren die homöopathischen Vereinsapotheken mit teilweise großen Vorräten homöopathischer Arzneien, fast immer in tiefen D-Potenzen. Vereinsmitglieder durften sich kostenlos, abgesehen vom Mitgliedsbeitrag, die gewünschten Mittel herausgeben lassen. Diese Praxis war jedoch von Beginn an juristisch umstritten und wurde schließlich untersagt. Da die Vereine zu den wichtigsten Abnehmern ihrer Produkte gehörten, unterstützten die Arzneimittelhersteller deren Bildungsarbeit. Die Vereine setzten sich zudem für die Einrichtung homöopathischer Lehrstühle an den Universitäten und die Gründung homöopathischer Krankenhäuser ein.[25] In der „Krise der Medizin“ in den 1920er Jahren fanden Naturheilkunde, Lebensreformbewegung und alternative Heilverfahren verstärkt Zulauf. Die naturheilkundlichen und homöopathischen Laienverbände gewannen viele Anhänger unter Arbeitern und Kleinbürgern. Der Dachverband Reichsbund für Homöopathie und Gesundheitspflege umfasste im Jahr 1930 348 Vereine mit 38.200 Mitgliedern. Der Nationalsozialismus griff mit der „Neuen Deutschen Heilkunde“ diese sich zu einer Massenbewegung entwickelnde Tendenz auf und vereinnahmte sie für seine Ziele. Die homöopathischen Laienvereine wurden davon zunächst mit erfasst. Im Laufe der Zeit nahm ihre Aktivität aber deutlich ab. Als die Zeit des Nationalsozialismus endete, war das homöopathische Laienwesen weitgehend zerstört.[25][110] Die ersten Neu- und Wiedergründungen erfolgten in den 1950er Jahren. Die bereits am 24. Februar 1868 in Stuttgart gegründete Hahnemannia ist heute der Dachverband der homöopathischen Laienvereine.[111]

Homöopathie im Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Homöopathie im Nationalsozialismus

In der Neuen Deutschen Heilkunde sollten die seit Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend naturwissenschaftlich fundierte „Schulmedizin“ und die „biologischen Heilverfahren“ zusammengefasst werden. Die homöopathischen Laienvereine bekannten sich häufig begeistert zur nationalsozialistischen Bewegung. In der Laienzeitschrift „Homöopathische Monatsblätter“ erschienen Aufsätze zur „Rassenhygiene“ und zu Nationalistisch-Völkischem, sogar zum Wert der Homöopathie für die Behandlung von Erbkrankheiten. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte vollzog 1933 die Gleichschaltung und wurde 1935 Mitglied der „Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde“.[110]

Erstmals in ihrer Geschichte genoss die Homöopathie staatliche Unterstützung. Bei allen vordergründigen Erfolgen und aller Hoffnung von Homöopathen auf Anerkennung gab es jedoch frühzeitig kritische Stimmen, die vor einer Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus warnten. Es wurde durch die Zusammenschließung mit anderen Methoden eine Verwässerung der Lehre und ein Verlust der Eigenständigkeit befürchtet.[110] Auf staatlicher Seite erlahmte andererseits das Interesse an der Homöopathie aus unterschiedlichen Gründen. Der wichtigste dürfte eine Untersuchung der Homöopathie im Auftrag des Reichsgesundheitsamts zwischen 1936 und 1939 gewesen sein. Es wurden klinische Versuche, Arzneimittelprüfungen und Quellenstudien zu einzelnen homöopathischen Arzneien durchgeführt. Die klinischen Versuche hatten keinerlei Erfolg gezeigt. Die Nachprüfungen homöopathischer Mittel konnten die Ergebnisse vorheriger Prüfungen nicht reproduzieren.[110][112]

Über das Schicksal jüdischer Homöopathen ist bisher nur wenig bekannt. In der homöopathischen Presse wurden teilweise eindeutig antisemitische Äußerungen verbreitet. Die 1933 beginnende „Ausschaltung“ jüdischer, sozialdemokratischer und marxistischer Ärzte vollzog sich auch in der Homöopathie. Prominentestes Opfer der Ausschaltung innerhalb der Homöopathie war der jüdische Arzt Otto Leeser (1888–1964). Er galt als Vertreter der naturwissenschaftlich-kritischen Richtung der Homöopathie in Deutschland.[110]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige Laienvereine wiedergegründet, erreichten aber nicht annähernd die frühere Bedeutung.[109] Die Teilung Deutschlands brachte eine unterschiedliche Entwicklung der Homöopathie mit sich.

Bundesrepublik Deutschland bis 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bundesrepublik erlebte die Homöopathie seit Mitte der 1970er Jahre mit der Zunahme der Beliebtheit alternativer Heilmethoden bei Laien wieder einen Aufschwung.[25] Zu dieser Zeit waren etwa 200 Homöopathen in der Bundesrepublik tätig. Bis 1993 stieg die Zahl auf 2.212 homöopathisch behandelnde Ärzte. 1978 erkannte der deutsche Gesetzgeber im Arzneimittelgesetz die Homöopathie, neben der Anthroposophisch erweiterten Medizin und der Phytotherapie, als „Besondere Therapierichtung“ an. Die Mittel der besonderen Therapierichtungen können zugelassen und dürfen verordnet werden, auch ohne dass für sie ein Wirksamkeitsnachweis erbracht wurde.[113] Die Homöopathische Centralofficin Dr. Willmar Schwabe, einer der bedeutendsten Hersteller homöopathischer Arzneimittel, verlegte 1946 ihren Firmensitz von Leipzig nach Karlsruhe. Der Betrieb in Leipzig wurde in der DDR jedoch weitergeführt. In Karlsruhe wurde 1961 die Homöopathika-Produktion abgespalten und fortan als Deutsche Homöopathie-Union weitergeführt.[114] Die Firma Biologische Heilmittel Heel, 1936 in Berlin gegründet, baute nach dem Krieg ihr Werk in Baden-Baden wieder auf und ist heute international an zehn Standorten tätig.[115]

Deutsche Demokratische Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der DDR war die Homöopathie in den Anfangsjahren verbreitet, wurde aber zunehmend verdrängt. Unterstützt wurde dies dadurch, dass ab 1949 keine neuen Heilpraktiker zugelassen wurden. 1959 wurde eine Kampagne gegen die Homöopathie geführt. Es wurde eine Wanderausstellung mit dem Titel „Aberglauben und Gesundheit – Ausstellung gegen Aberglauben und Kurpfuscherei“ gestartet. 1961 folgte eine öffentliche Ächtung der Homöopathie. Es wurde zwar kein Behandlungsverbot erlassen, es gab jedoch ein Fortbildungsverbot. Von Laien und den wenigen Heilpraktikern sowie wenigen Ärzten wurde Homöopathie jedoch weiter eingesetzt.[116][117] Homöopathische Arzneimittel wurden ab 1952 in Leipzig vom VEBHomöopharm Dr. Willmar Schwabe und dessen Nachfolgeunternehmen sowie in den Bombastus-Werken in Freital hergestellt.[118]

Bundesrepublik Deutschland ab 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde mit Unterstützung der Karl und Veronica Carstens-Stiftung bereits am 28. April 1990 eine erste Weiterbildungsveranstaltung zur Homöopathie für Ärzte in Wittenberg durchgeführt.[119] In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte ein Konzept für einen berufsbegleitenden zweijährigen Masterstudiengang„Wissensentwicklung und Qualitätsförderung in der homöopathischen Medizin – Integrated Practice in Homoeopathy“ für Ärztinnen, Ärzte und andere approbierte Heilberufe erarbeitet, der mit dem Erwerb eines Master of Arts abgeschlossen werden soll. Es fand sich jedoch bislang keine Hochschule, die diesen Studiengang umsetzen wird.[120]

Historisches Homöopathieset
Hampton House in Bristol – das frühere Bristol Homeopathic Hospital
Versammlung der Wiener homöopathischen Ärzte, Lithographie von Josef Kriehuber, 1852
Gebäude der Europäischen Bibliothek für Homöopathie in Köthen

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